13 Jahre DDR

                                          1990 – 2003

      Warum es in den Neuen BundeslĂ€ndern nie einen wirtschaftlichen Aufschwung geben wird,              trotz 100 Milliarden Euro jĂ€hrlich.

                                                                                                                                                                                                                                                                                        Autor: Siegfried Bauer

 Wir schreiben das Jahr 2005. In Ostdeutschland herrschen besonders katastrophale ZustĂ€nde. Einmalig auf der Welt. Kein anderes Land hat jemals so viel „Aufbauhilfe“ bekommen und trotzdem bleibt es das Armenhaus Europas. Die Firmenpleiten erreichen jedes Jahr neue Rekorde.

 Die Arbeitslosigkeit steigt trotz Abwanderung, ABM, Lohnsubventionen, Ich-AGÂŽs u.s.w. immer weiter.   Die Kommunen und LĂ€nder stehen vor einem wirtschaftlichen Kollaps. Die Haushalte werden nur noch durch Umleitung der Fördermittel und immer neuen Schulden finanziert. Steuereinnahmen sind Fremdwörter, mit ganz wenigen Ausnahmen..

 Diese Entwicklung hatte ich bereits 1995 vorhergesagt und dies in mehreren Schreiben an die Chemnitzer Staatsanwaltschaft dokumentiert. In diesen Schreiben brachte ich meinen Unmut auch dadurch zum Ausdruck, dass ich diese Institution als korrupt und kriminell bezeichnete und dies ausfĂŒhrlich begrĂŒndete.

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Doch erst mal zum Anfang, zum Kalenderjahr 1990.

 Am 02. Juli 1990 mieteten mein damaliger GeschĂ€ftspartner und ich ein Wohnmobil und fuhren nach Chemnitz. Diese Stadt hatten wir rein zufĂ€llig ausgesucht. Genauso hĂ€tte es Dresden oder Leipzig werden können. Jede Stadt sah gleich aus: Wie nach einem Bombenangriff. In den InnenstĂ€dten ganze HĂ€userzeilen mit AbbruchhĂ€usern. In Chemnitz sogar noch mit Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg versehen. Schlaglochpisten so weit das Auge reicht. Autobahn TeilstĂŒcke mit Kopfsteinpflaster. Alles grau in grau. Die FlĂŒsse hatten jeden Tag eine andere Farbe. Man fĂŒhlte sich weit in die Vergangenheit zurĂŒckversetzt. 

 Aber um die Jahrhundertwende war Chemnitz die reichste Stadt Deutschlands. Vor dem Krieg eine der grĂ¶ĂŸten Industriemetropolen Deutschlands. Heute die Hinterlassenschaft eines bankrotten, sozialistischen Systems. Doch der jetzige erbĂ€rmliche Zustand barg auch eine noch nie da gewesene Möglichkeit, in kurzer Zeit sehr viel Geld zu verdienen. Helmut hatte ja blĂŒhende Landschaften versprochen und dieses Versprechen sollte mit gigantischen Geldtransfers umgesetzt werden. Dass die damals veranschlagten Milliarden nicht mal fĂŒr die Renovierung des maroden Schienenverkehrs reichten, wollte man 1989 nicht publik machen. Die Wiedervereinigung stand kurz bevor und Helmut brauchte die Zustimmung der BĂŒrger im Westen, damit er als Einheitskanzler in die Geschichte eingehen konnte.

 Die BĂŒrger in der DDR wollten keine Wiedervereinigung, sondern nur eine andere Regierung und Reisefreiheit. Mit weitreichenden ZugestĂ€ndnissen und vielen DM erkaufte sich Helmut das Wohlwollen und die Zustimmung der Übergangsregierung der DDR fĂŒr die Wiedervereinigung. Doch Helmut hatte sich verrechnet. Nicht nur bei den erforderlichen Aufbauhilfen, sondern auch bei der MentalitĂ€t der BĂŒrger. Man gewöhnte sich sehr schnell an die gigantischen, nie endenden Milliarden-Transfers im Schlaraffenland.

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 Die gigantische Geldverschwendung wurde im Wahlkampf 2005 in einen Vorteil umgewandelt. Frau Merkel und Herr Schröder machten immer wieder auf die enormen Leistungen der Ost-Deutschen aufmerksam, was bisher alles erreicht wurde und so. FĂŒr den Pöbel durchaus nachvollziehbar. Neu renovierte Schlösser, OpernhĂ€user, Burgen, schöne Straßen, ein neues Schienennetz, alles super. Oder doch nicht? Na ja, wenn ich Ihnen, mein lieber Leser, 100.000.- € schenke und Sie sich die neueste S-Klasse dafĂŒr kaufen, dann haben Sie es doch zu was gebracht, was Sie ĂŒberall vorzeigen können, wo Sie nachweisen können, wie erfolgreich Sie sind. Und die laufenden Unterhaltskosten werden einfach durch einen nie enden wollenden Dispo finanziert.                                                             

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 Mein GeschĂ€ftspartner und ich hatten im SchwabenlĂ€ndle gutgehende Firmen, die uns ein ausreichendes Einkommen bescherten. Er war Handelsvertreter und ein TOP-VerkĂ€ufer, ich war seit 1977 in der Finanzbranche tĂ€tig. Am Anfang als Vermögensberater, wie fast jeder zweite im LĂ€ndle, dann als Finanzmakler und seit 1980 hatte ich mich auf die Wohnungsbau-Fördermittel der Landeskreditbank Baden-WĂŒrttemberg und die Abwicklung von Baufinanzierungen spezialisiert.

 Es war fĂŒr uns beide nicht leicht, unsere Firmen aufzugeben und in einer neuen, ungewissen Zukunft wieder anzufangen. Lange Diskussionen, in denen alle Vor- und Nachteile abgewogen wurden, gingen unserer Reise voraus. Doch wir waren uns beide darin einig, dass wir eine solche Chance kein zweites mal im Leben bekommen und wagten den Sprung ins kalte Wasser.

 Nicht unerheblich zu unserer Entscheidung hatte auch die enorme UnterstĂŒtzung der Bausparkasse SchwĂ€bisch Hall beigetragen, fĂŒr die wir eine Vertriebsorganisation in Chemnitz aufbauen wollten. Auch fĂŒr die Bausparkasse SchwĂ€bisch Hall stand damals viel auf dem Spiel. Eine Vertriebsorganisation gab es bisher nicht. Wir waren also das Versuchskaninchen und genossen jegliche UnterstĂŒtzung, vom Verkaufsleiter bis zum Vorstand. Der gute Name der Bausparkasse SchwĂ€bisch Hall war bereits in der DDR bekannt und davon partizipierten wir nicht unerheblich.

 Wir standen mit dem Wohnmobil in der Chemnitzer Innenstadt, der Straße der Nationen, der am stĂ€rksten frequentierten Straße, keine 100m vom „Karl-Marx-Kopf“ entfernt, dem Wahrzeichen der zweitgrĂ¶ĂŸten Stasi-Stadt der DDR. Beratungen fĂŒhrten wir im Wohnmobil durch, von dort aus wir auch neue Mitarbeiter anwarben, die in Strömen zu uns kamen. Diese neue Mitarbeiter, alle hoch motiviert und beeindruckt von unserem Auftreten, im Anzug und Krawatte, waren schnell von unserer Idee, BausparvertrĂ€ge zu verkaufen, zu begeistern. Wir fĂŒhrten zweimal wöchentlich abends in der Technischen Uni Schulungen durch, wo die neuen Mitarbeiter oft schon wieder neue Mitarbeiter mitbrachten, ohne dass wir viel dazu beitragen mussten. Die Verkaufszahlen nahmen fĂŒr unsere damaligen VerhĂ€ltnisse gigantische Ausmaße an. Es flatterten Schecks mit 60.000.- DM und jeden Folgemonat immer mehr ins Haus.

 Die Mitarbeiter waren sehr begeisterungsfĂ€hig und fĂŒr ein kleines Lob und Anerkennung unermĂŒdlich im Einsatz. Eine Sparform, die vom Staat mit einer hohen PrĂ€mie belohnt wurde und dann auch noch billiges Baugeld zu bekommen, fĂŒr eine Renovierung, oder den Erwerb eines Hauses, das kam nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch in der Bevölkerung gut an. TagsĂŒber fĂŒhrten wir Beratungen im Wohnmobil durch. Auch die BĂŒrger, die sich nur mal das Wohnmobil von innen anschauen wollten, gingen mit einem Bausparvertrag hinaus. Ehrensache. Die Kids hatten an den großen BausparfĂŒchsen, die wir am Eingang platziert hatten, einen Narren gefressen und zogen ihre Mamis zu uns. Die Kids bekamen einen kleinen Bausparfuchs und strahlten wie ein MaikĂ€fer und die Mamis hatten einen Bausparvertrag in der Einkaufstasche und strahlten nicht weniger.

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 Mal davon abgesehen, dass mein GeschĂ€ftspartner am ersten Tag keine Ahnung von BausparvertrĂ€gen hatte, nur zugehört hatte, verkaufte er bereits am zweiten Tag erfolgreich am zweiten Beratungstisch. Bereits 3 Monate spĂ€ter, im Oktober 1990, mieteten wir uns im damals besten BĂŒrogebĂ€ude der Stadt, dem RAWEMA-GebĂ€ude, genau gegenĂŒber unseres Stellplatzes, BĂŒrorĂ€ume. Einen Quadratmeter-Preis von ĂŒber 50.- DM war fĂŒr uns zwar ungewöhnlich hoch, doch die immer höheren Umsatzzahlen und die damit verbundene Verwaltung rechtfertigten diese exklusive Lage. Davon abgesehen war es damals auch das einzige BĂŒrogebĂ€ude in Chemnitz, das in einem akzeptablen Zustand war, wo man auch mal GeschĂ€ftspartner aus dem Westen einladen konnte, ohne Komplexe zu bekommen.

 Unsere Mitarbeiter wĂ€ren auch mit BĂŒrorĂ€umen in einem notdĂŒrftig renovierten Abbruchhaus einverstanden gewesen, da sie ja bisher nichts anderes kannten. NatĂŒrlich waren alle stolz auf unsere neuen BĂŒrorĂ€ume, in denen mein Partner und ich nun die Beratungen durchfĂŒhrten. Auf Laufkundschaft waren wir nicht mehr angewiesen. Wir suchten weitere Mitarbeiter ĂŒber die örtliche Presse und fĂŒhrten die Schulungen immer noch in der Technischen Uni durch.

 Nach einem missglĂŒckten Anlauf fanden wir auch eine hochqualifizierte SekretĂ€rin, die sehr aufnahmefĂ€hig und intelligent war. Sie hatte das gewisse Etwas. Sie beherrschte die Kunst mit Kunden umzugehen und die Mitarbeiter kuschten vor ihr. Wenn ich mich mal nicht traute, den einen oder anderen Mitarbeiter  zur Schnecke zu machen, ĂŒbernahm sie das erfolgreich. Sie genoss jeglichen Respekt bei den Mitarbeitern, nicht nur weil sie gut aussah, sondern weil sie auch sehr dominant war. Sie hat viel zum Erfolg der Firma beigetragen.

 Mit dem Einigungsvertrag am 03. Oktober 1990 Ă€nderte sich das Bausparkassengesetz wesentlich. Die PrĂ€mien wurden stark reduziert und von der wohnwirtschaftlichen Verwendung abhĂ€ngig gemacht. Die geniale Sparform wurde drastisch eingeschrĂ€nkt. Obwohl andere Vertriebsorganisationen nach wie vor mit den bisherigen, fĂŒr NeuvertrĂ€ge nicht mehr geltenden Bestimmungen verkauften, wurden unsere Mitarbeiter auch ĂŒber die Änderungen informiert. Vielleicht lag es an mir, dass ich nicht mehr so ĂŒberzeugend dieses Produkt rĂŒberbrachte, der Umsatz brach jedenfalls ein. Zwischenzeitlich hatten wir ĂŒber 100 haupt- und nebenberufliche Mitarbeiter.

 Bereits im Juli hatte ich eine Studentin kennen gelernt, die alle meine Schulungen besuchte. Ich war damals 33 und sie erst 20. Es entwickelte sich schnell mehr daraus. Wir mieteten uns eine Wohnung in einer Chemnitzer Plattenbausiedlung, wo man MĂŒhe hatte, bei Dunkelheit das richtige Haus zu finden. Auch sie hat durch ihr Fachwissen und Engagement viel zur Entwicklung der Firma beigetragen. Ohne diese Maus wĂ€re die Expansion dieser Firma und die GrĂŒndung der nĂ€chsten Firmen nicht so schnell möglich gewesen.

 Im Februar 1994 war sie auf der Titelseite der Zeitschrift Capital abgebildet, in der wir mehrere Seiten ĂŒber Baufinanzierungen referierten.                                                           

 Der UmsatzrĂŒckgang durch die Änderung des Bausparkassengesetzes veranlasste meinen Partner dazu, ein zweites Standbein aufzubauen. Obwohl wir immer noch ein mehrfaches dessen verdienten, was wir im SchwabenlĂ€ndle hatten, machte er sich Sorgen. Er grĂŒndete ganz allein eine Partnervermittlung in einem anderen BĂŒrogebĂ€ude, ca. 100 m entfernt und stellte eine SekretĂ€rin ein. Da er dort aber nur Ausgaben produzierte und keine Einnahmen hatte, machte er zwei Monate spĂ€ter den Laden schon wieder dicht.

 In der Zwischenzeit hatte ich ein zweites Produkt eingefĂŒhrt, die Fondsgebundene Lebensversicherung, die den Umsatzverlust aus dem BauspargeschĂ€ft nicht nur kompensierte, sondern zu noch höheren Schecks fĂŒhrte. Wir konnten ja auf einen enormen Kundenbestand aus dem BausparkassengeschĂ€ft zurĂŒckgreifen. Doch dies ĂŒberzeugte meinen Partner nicht, da er in ein paar Monaten wieder UmsatzrĂŒckgĂ€nge erwartete. Anfang 1991 packte er seine Sachen zusammen und siedelte wieder zurĂŒck zu seiner Frau ins SchwabenlĂ€ndle. FĂŒr die Firma war dies kein Verlust, da er seit Monaten nur noch vorbei schaute, um mit der SekretĂ€rin zu flirten. Beratungen fĂŒhrte er schon lange nicht mehr durch. An meinen Seminaren nahm er nur noch gelegentlich teil. Problematisch wurde es nur, weil er das GeschĂ€ftskonto, das auf seinen Namen lief und ich nur eine uneingeschrĂ€nkte Vollmacht hatte, leer rĂ€umte und das Geld fĂŒr ein Haus und ein neues Auto ausgab. Er musste ja allen zeigen, wie erfolgreich er im Osten war.

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 Die HĂ€lfte des veruntreuten Guthabens vom GeschĂ€ftskonto musste ich gerichtlich einklagen. Allerdings habe ich erst in zweiter Instanz den Prozess gewonnen, da wir ja seit Jahren die besten Kumpels waren und keine internen VertrĂ€ge gemacht hatten. Hatte schon wieder was dazu gelernt. Wenn es ums Geld geht, lernst du den Charakter eines Menschen kennen. Auf die hĂ€lftigen Folgeprovisionen aus den Fondsgebundenen Lebensversicherungen fĂŒr die nĂ€chsten 4 Jahre verzichtete ich. Dies hatte er nicht meiner GutmĂŒtigkeit zu verdanken, sondern ausschließlich seinem Vater, der mich in Chemnitz mehrmals besuchte. Nicht die „Selbstmord“ Absichten seines Sohnes veranlassten mich dazu auf Folgeprovisionen zu verzichten, sondern er selbst, der auch die gerichtlich eingeklagten Provisionen aus 1990 bezahlte.

 Im FrĂŒhjahr 1991 wurden die Verwaltungsvorschriften fĂŒr Subventionen der Wohnungsbauförderung vom SĂ€chsischen Staatsministerium des Innern veröffentlicht. Als ich die Verwaltungsvorschriften in den HĂ€nden hielt, hĂ€tte ich vor lauter Freude an die Decke springen können. Sie waren identisch mit denen aus Baden-WĂŒrttemberg, die ich ja auswendig konnte und mit denen ich schon 10 Jahre lang im Westen mein Geld verdient hatte. Dies war meine Chance. Mit meiner Freundin, die nun meine GeschĂ€ftspartnerin war, schmiedete ich PlĂ€ne. Sie zweifelte aber daran, dass es möglich wĂ€re, dass wir in unserem BĂŒro DarlehensantrĂ€ge aufbereiteten und ĂŒber die Stadt- bzw. Gemeindeverwaltungen, bzw. ĂŒber die  LandratsĂ€mter und das RegierungsprĂ€sidium weiterreichten, die diese dann an die SĂ€chsische Aufbaubank weiterleiteten. Sie war der Meinung, dass dieses GeschĂ€ft nur den Banken vorbehalten war.

 Wir machten wieder in der örtlichen Presse Werbung. Auch ĂŒber die Vertriebsorganisation, die immer noch fleißig BausparvertrĂ€ge und Fondsgebundene Lebensversicherungen verkaufte, bekamen wir viele Kunden vermittelt, die ihr Haus renovieren oder ausbauen wollten. Andere wollten eine neues Haus errichten. An den Erfolg glaubte niemand. Als der erste Kunde mit seiner Darlehenszusage ins BĂŒro kam, war das Eis gebrochen. Wir freuten uns alle wie die Schneekönige. Was manche nicht fĂŒr möglich gehalten hatten, funktionierte also doch. Wir Ă€nderten die GeschĂ€ftspolitik. Von den ĂŒber 100 Mitarbeitern aus der Vertriebsorganisation suchte ich mir die 12 Besten aus und stellte denen meine PlĂ€ne vor. Ich wollte die Vertriebsorganisation auflösen und die 12 Mitarbeiter ein halbes Jahr lang intensiv im Bereich der Baufinanzierung und Subventionsdarlehen ausbilden. Jeder sollte fĂŒr diese Zeit monatlich 2.500.- DM bekommen. FĂŒr eine Entscheidung hatten alle ein paar Tage Zeit. Dass dies kein Zuckerschlecken wird, wussten alle. Ich verlangte in meinen Seminaren alles von den Mitarbeitern.

 Das Geld fĂŒr die Ausbildung von monatlich 30.000.- DM, die BĂŒromiete in Chemnitz in Höhe von 5.000.- DM, die BĂŒromiete fĂŒr das erforderliche BĂŒro in Zwickau, ebenfalls 5.000.- DM, zwei SekretĂ€rinnen von jeweils 3.500.- DM, Leasingraten fĂŒr Kopierer usw. ....

 ... alles in allem mĂŒsste ich parallel zur Ausbildung Beratungen durchfĂŒhren, um die dann laufenden Kosten von ca. 50.000.- DM monatlich zu finanzieren. WĂ€re auch hart fĂŒr mich und meine Freundin. Ein paar Tage spĂ€ter erhielt ich von allen zwölf Mitarbeitern eine Zusage, dass sie damit einverstanden waren.

 Es folgten Diskussionen mit meiner Freundin, bzw. GeschĂ€ftspartnerin, auf derer Hilfe ich angewiesen war. Zusammen mit der SekretĂ€rin erledigte sie ein Großteil der Vorbereitungen fĂŒr die DarlehensantrĂ€ge, z.B. die WohnflĂ€chenberechnung, kubische Berechnung, Grundriss-Änderungen usw.

 Nebenher machte sie auch noch ein Studium in Betriebswirtschaft, das sie allerdings mit einer eins vor dem Komma abschloss. Sie stimmte zu. Mir fiel ein Stein vom Herzen. VorĂŒbergehend firmierten wir als GbR, kurze Zeit spĂ€ter grĂŒndeten wir eine GmbH, wo sie als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin mit 5.000.- DM monatlich eingesetzt wurde.

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 Wir lösten die Vertriebsorganisation auf. Von einer bekannten Rechtsanwaltskanzlei in Heilbronn, die auch fĂŒr die Bausparkasse SchwĂ€bisch Hall tĂ€tig war, lies ich mir niet- und nagelfeste VertrĂ€ge fĂŒr meine Mitarbeiter ausarbeiten. Ein zweites mal wollte ich nicht noch mal solch einen Fehler machen, wie mit meinem ursprĂŒnglichen GeschĂ€ftspartner.

 Von nun an hatten meine Freundin und ich eine 100 Stunden Woche. Sonntags arbeiteten wir am liebsten, da hatte wir Ruhe. Die Kunden standen jeden Tag ab 16.00 Uhr, nach Ende der Ausbildung auf dem Flur Schlange. Einige kamen ohne Terminabsprache und warteten bis 22.00 Uhr und lĂ€nger, bis sie dran kamen. Wenn jemand z.B. ein Mehrfamilien-Wohnhaus besaß, bekam er ohne zusĂ€tzliche Eigenmittel Darlehen bis zu 1.950.- DM/qm mit 0,50% Anfangszins. Dieser Zins wird alle 2 Jahre um 1% höher. Zumindest 10 Jahre lang hatte jeder dadurch einen finanziellen Überschuss, vorausgesetzt die Mieter zahlen die Miete. Durch den Überschuss innerhalb der ersten 10 Jahre, den wir in einem Rentenfond beim Frankfurt Trust anlegten, hĂ€tte der Kunde einen Großteil seiner Schulden nach 10 Jahren ablösen können.

 Ein geniales System, wo die ĂŒberall umherschwirrenden Versicherungsvertreter nicht mithalten konnten. Versicherungsschutz bekamen unsere Kunden in Form einer Risiko-Lebensversicherung bei einer Direktversicherung. Baufinanzierungsberater verschiedenster Banken tarnten sich als Kunden, um sich bei uns beraten lassen zu können, damit sie auch mal einen Fall auf die Reihe bekamen.

 Im Herbst 1991 eröffneten wir unsere Zweigstelle in Zwickau. Eine ganze Etage in einer neu sanierten Villa. Ein Traum, wo das Arbeiten viel Spaß gemacht hat. Dies war der Freien Presse, der örtlichen Zeitung, einen Platz auf der Titelseite wert. Die von mir ursprĂŒnglich kalkulierten 5.000.- DM Miete waren gut geschĂ€tzt. Zwischenzeitlich wurde auch die Rechtsaufsichtsbehörde auf uns aufmerksam. Wir wickelten nicht nur private Finanzierungen ab, sondern auch kommunale. Jeder Antrag, der unser BĂŒro verlassen hatte, wurde von der SĂ€chsischen Aufbaubank bewilligt. StadtkĂ€mmerer, die ĂŒber KfW, oder normale Bankdarlehen ihren kommunalen Bestand finanzieren wollten, wurden in unsere BĂŒros geschickt.

 Als die Ausbildung meiner Mitarbeiter beendet war, elf waren noch ĂŒbrig geblieben, hielt ich auf mehreren LandratsĂ€mtern Seminare ĂŒber die Wohnungsbauförderdarlehen. Die BĂŒrgermeister, bzw. StadtkĂ€mmerer wurden von der Rechtsaufsichtsbehörde dazu verpflichtet, an diesen Seminaren, die ich kostenlos durchfĂŒhrte, teilzunehmen. Die BĂŒrgermeister hatten so schon mit einer Flut von Verwaltungsvorschriften zu kĂ€mpfen und wollten sich nicht noch eine zusĂ€tzliche Arbeit aufhalsen. Sie schickten alle Interessenten in unsere BĂŒros. Dass wir die kommunalen BestĂ€nde finanzierten, war selbstverstĂ€ndlich.

 Von 1991 bis 1995 wickelten unsere zwei BĂŒros ca. 10% der gesamten Wohnungsbauförderdarlehen im Regierungsbezirk Chemnitz ab. Das waren so zwischen 50 – 60 Millionen jĂ€hrlich. Dazu kamen noch Hypotheken- und Bauspardarlehen in gleicher Höhe. In diesen fĂŒnf Jahren hatten wir HonoraransprĂŒche von 3,5 Millionen DM erwirtschaftet. Das Honorar war erfolgsabhĂ€ngig und erst bei der ersten Auszahlung fĂ€llig.. Unsere BĂŒros haben also nicht unerheblich zum Aufschwung Ost beigetragen. Ein bis zweimal in der Woche organisierte meine Partnerin Informationsveranstaltungen ĂŒber die Wohnungsbauförderungsprogramme in grĂ¶ĂŸeren Gemeinden. Diese fanden regen Zuspruch. Die Terminkalender meiner Mitarbeiter fĂŒllten sich jedes mal.

 Auf Bitten eines Mitglieds im Finanzausschuss nahm ich eine Einladung der Stadt Chemnitz wahr und stellte die Förderprogramme auch in einer Finanzausschusssitzung vor. Mehrere Ausschussmitglieder betitelten mich als BetrĂŒger, dass es so was nicht geben könnte. Ich packte meine Unterlagen zusammen und verlies die Sitzung wortlos.

Probleme gab es ausschließlich in Chemnitz. Das Wohnungsbauförderungsamt, das die AntrĂ€ge prĂŒfen, ins Kontingent mit aufnehmen und an die SĂ€chsische Aufbaubank weiterleiten muss, blockierte am Anfang jegliche Zusammenarbeit. Ohne Scheine in den AntrĂ€gen lĂ€uft halt nichts, dachten die sich. Ein Seminar im Chemnitzer Landratsamt fĂŒr die BĂŒrgermeister der Umlandgemeinden wurde ohne BegrĂŒndung abgelehnt.  SĂ€mtliche AntrĂ€ge, die wir ĂŒber dieses Landratsamt eingereicht hatten, wurden wieder zurĂŒckgeschickt, mit der BegrĂŒndung, dass dies und das fehlen wĂŒrde, die WohnflĂ€chenberechnung falsch wĂ€re usw.                  

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 Ich packte alle DarlehensantrĂ€ge ein und fuhr nach Dresden zur SĂ€chsischen Aufbaubank. Dort erlĂ€uterte ich das Problem. Die AntrĂ€ge wurden entgegengenommen und geprĂŒft. Alle AntrĂ€ge waren vollstĂ€ndig und korrekt. Einer Bewilligung stand nur die Aufnahme ins Chemnitzer Kontingent im Weg.  Jedes Landratsamt hatte nur bestimmte Mittel zur VerfĂŒgung. Alle AntrĂ€ge, die zur SĂ€chsischen Aufbaubank weitergeleitet werden, mĂŒssen bei den verfĂŒgbaren Mitteln berĂŒcksichtigt werden, so lange, bis das Geld aufgebraucht ist. Der damalige Direktor der SĂ€chsischen Aufbaubank setzte sich mit dem Staatsministerium des Innern in Verbindung und schilderte das Chemnitzer Problem. Daraufhin bekamen wir eine Ausnahmegenehmigung vom Staatsministerium des Innern, dass alle AntrĂ€ge, die Chemnitz betreffen und ĂŒber das Chemnitzer Landratsamt eingereicht werden mĂŒssten, direkt zur Aufbaubank weitergeleitet werden können. Die dann nach PrĂŒfung und Bewilligung der AntrĂ€ge die DarlehensbetrĂ€ge nach Chemnitz weitergaben, damit die AntrĂ€ge im Chemnitzer Kontingent berĂŒcksichtigt werden. Erst ab 1993 reichten wir DarlehensantrĂ€ge wieder ĂŒber das Chemnitzer Landratsamt ein, die dann ordnungsgemĂ€ĂŸ an die SĂ€chsische Aufbaubank weitergeleitet wurden, auch ohne Scheine im Antrag. Von ĂŒber 1000 DarlehensantrĂ€gen hatten wir lediglich eine Absage erhalten, da uns der Kunde bestehende Kredite fĂŒr Auto und Wohnungseinrichtung  verschwiegen hatte. Zwischenzeitlich schickte uns sogar das Wohnungsbauförderungsamt in Chemnitz Kunden vorbei, die Probleme bei der Abwicklung hatten, oder sich z.B. die Baukosten massiv erhöht hatten und die bewilligten Darlehen nicht mehr zur Begleichung der Rechnungen ausreichten. Wir ĂŒberarbeiteten die Finanzierungen und die Kunden konnten ihre Handwerkerrechnungen bezahlen. Die meisten Konkurse von Handwerkern war auf diese Situation zurĂŒckzufĂŒhren, weil die Hausbanken keine nachrangigen Darlehen gewĂ€hrten und so die Handwerker auf offenen Rechnungen sitzen blieben..

 Anfang 1994 ging der Umsatz im Zwickauer BĂŒro enorm zurĂŒck. Zweimal in der Woche schaute ich vorbei, um schwierige FĂ€lle durchzusprechen. Jedes mal hatten die Berater alle HĂ€nde voll zu tun. Kunden standen sich im Treppenhaus die Hacken platt. Eines Tages hatte ich im Zwickauer BĂŒro wichtige Unterlagen vergessen, die ich am nĂ€chsten Tag in Chemnitz benötigte. Ich fuhr Mitte in der Nacht nach Zwickau. Meine Unterlagen lagen auf dem Beratertisch eines Mitarbeiters. Dort lag auch ein Finanzierungsauftrag dieses Mitarbeiters, der aber nicht ĂŒber unser BĂŒro ausgestellt war, sondern auf ihn selbst. Sein Schreibtisch war nicht verschlossen. Ich nahm mir ein paar Akten raus und suchte die FinanzierungsauftrĂ€ge. Alle waren auf seinen Namen ausgestellt und das Honorar wurde auf sein privates Konto bezahlt. Beim nĂ€chsten Mitarbeiter das selbe. Jetzt wusste ich, warum der Umsatz weniger wurde, obwohl die Kunden Schlange standen.                                                                

 ZufĂ€llig hatte ich ein paar Tage vorher im Chemnitzer BĂŒro mitbekommen, dass die Chemnitzer SekretĂ€rin Mahnungen an Zwickauer Kunden verschickt hatte, weil noch kein vertraglich vereinbartes Erfolgshonorar bezahlt wurde. Die Kunden riefen im BĂŒro an und beschwerten sich, da sie das Geld sogar in bar im Zwickauer BĂŒro bezahlt hatten und auch eine Quittung erhielten. Alle sagten ĂŒbereinstimmend, dass sie 10% Nachlass erhielten, weil sie die Rechnung bar bezahlt hatten. Und jetzt noch die FinanzierungsauftrĂ€ge in eigenem Namen, in unserem BĂŒro. Ich fuhr nach Chemnitz zurĂŒck und erzĂ€hlte dies meiner Partnerin. Sie hatte bereits mit den Zwickauer Beratern wegen den „Barzahlungen“ Kontakt. Von den FinanzierungsauftrĂ€gen, die von den Beratern in eigenem Namen abgeschlossen wurden, wusste sie noch nichts.

 Am nĂ€chsten Morgen war ich der erste im Zwickauer BĂŒro. Die Chemnitzer SekretĂ€rin hatte auf Anweisung meine Termine an diesem Tag abgesagt. Um 9.00 Uhr kamen die Zwickauer Berater und die SekretĂ€rin ins BĂŒro. Ich forderte die Berater auf, im Sekretariat Platz zu nehmen und konfrontierte sie mit den FinanzierungsauftrĂ€gen, die in eigenem Namen ausgestellt wurden, sowie den Geldern, die unterschlagen wurden. Sie drucksten nur herum. Eine Antwort bekam ich nicht. Auch solche Machenschaften hatte mein Anwalt in weiser Voraussicht in dem Vertrag berĂŒcksichtigt, den ich mit allen abgeschlossen hatte. Sie waren der Firma zu Schadensersatz verpflichtet. Die Mitarbeiter und die SekretĂ€rin hatten noch die Gelegenheit, ihre persönlichen Sachen zusammen zu packen und dann warf ich sie hinaus. Das Schloss wechselte ich aus. Neue GeschĂ€fte wurden nicht mehr angenommen. Bestehende Finanzierungen wickelte ich ordnungsgemĂ€ĂŸ ab und wir gaben das Zwickauer BĂŒro auf. Aber auch in Zwickau und Umgebung gab es nicht wenige BĂŒrger, die sich auf den Weg nach Chemnitz machten, damit ihre Finanzierung in unserem BĂŒro abgewickelt werden konnte.

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 Die Berater waren der Meinung, dass sie Finanzierungen auch ohne einen Wessi abwickeln können. Sie eröffneten ein BĂŒro. Ein paar Monate spĂ€ter schlossen sie es wieder mangels Umsatz. Nun standen sie wieder dem Arbeitsamt zur VerfĂŒgung. Nur einer ist noch in diesem Bereich tĂ€tig. Dank seiner Frau, die als Lehrerin ein gutes Gehalt bekommt und ihn durchfĂŒttern kann. Die Prozesse gegen die Mitarbeiter habe ich beim Landgericht verloren. Das ehrenwerte Gericht hat einfach die VertrĂ€ge außer Kraft gesetzt mit der BegrĂŒndung, dass diese nicht auf die Neuen BundeslĂ€ndern angewendet werden könnten. Nur die Unterschlagung der Gelder wurde strafrechtlich verfolgt. FĂŒr 5-stellige BetrĂ€ge gab es ein paar Monate BewĂ€hrung. Von dem Geld haben wir natĂŒrlich nie wieder was gesehen.

 Auch das Chemnitzer BĂŒro haben wir dann, zusammen mit den anderen Firmen, Ende1995 aufgelöst. Die Probleme mit der Firma FachbĂŒro fĂŒr Baufinanzierung Vermittlungs GmbH waren noch die kleinsten. Deswegen hĂ€tten wir nicht alle Firmen aufgelöst. Die Entscheidung, alle Firmen aufzulösen, hatte viel schwerwiegendere GrĂŒnde. Andere Investoren waren schlauer als wir und hatten ihre Firmen aus den gleichen GrĂŒnden schon viel frĂŒher aufgelöst. Nicht weil keine Arbeit da gewesen wĂ€re, ganz sicher nicht, sondern die zig Straftaten, die gegen mich, meine Partnerin und gegen unsere Firmen verĂŒbt wurden, teilweise sogar mit UnterstĂŒtzung der OrdnungshĂŒter. Und wenn mal ermittelt wurde, hat die Staatsanwaltschaft die Verfahren sofort wieder eingestellt, mangels öffentlichem Interesse. Die Jungs hatten einen Freibrief fĂŒr Straftaten gegen WestbĂŒrger und andere AuslĂ€nder und machten davon regen Gebrauch.

 Die Jahre 1991 und 1992 verbrachten wir fast ausschließlich mit Arbeiten. Hundert Stunden in der Woche waren ĂŒblich. Doch alles machte so unheimlich viel Spaß, dass der Wunsch nach Urlaub erst gar nicht aufkam. Auch die Mitarbeiter waren unheimlich fleißig.

 Ăœberall nette und freundliche Leute, die so happy waren, dass sie die 1990 erlangte Freiheit genießen konnten. Außerdem konnte man sich jetzt alles kaufen, was man vorher nur im West-Fernsehen oder Inter-Shop gesehen hatte. Ein fortwĂ€hrender Kaufrausch setzte ein, der sĂ€mtliche finanziellen RĂŒcklagen schnell aufbrauchte und die monatlichen Raten fĂŒr die Konsum-Kredite das Leben immer weiter einschrĂ€nkte. Ab 1993 Ă€nderte sich die Stimmung in der Bevölkerung dramatisch. Die meisten sozialistischen Betriebe hatten geschlossen. LPGÂŽs wurden von Maschinen bewirtschaftet, wo bisher tausende  beschĂ€ftigt waren. Die Textilindustrie wurde nicht mehr subventioniert und konnte mit den BilliglohnlĂ€ndern nicht mehr mithalten. Die QualitĂ€t war trotz veralteter Maschinen hervorragend. Vor der Wende waren die AbsatzmĂ€rkte in Westdeutschland bei Neckermann und Co.

 Musterbetriebe aus der DDR-Zeit, die von WestbĂŒrgern mit zig Millionen Fördermitteln ĂŒbernommen wurden, hatten oft kurz nach der Übernahme Insolvenz angemeldet. Die Fördermillionen waren verschwunden. Alles ganz legal. Der Subventionsbetrug, von cleveren AnwĂ€lten aus dem Westen gesteuert, politisch toleriert, strafrechtlich selten verfolgt, erreichte seinen Höhepunkt. Diese Art der „legalen“ Geldvermehrung machte viele Anwaltskanzleien und deren Klientel aus dem Westen sehr reich, aber die Existenzen von mehreren hunderttausend Arbeitnehmern wurden so vernichtet. Die gigantischen Fördermittel waren dafĂŒr geplant, die Maschinenparks zu modernisieren, um konkurrenzfĂ€hig zu produzieren und somit ArbeitsplĂ€tze zu erhalten, bzw. noch neue geschaffen werden. Und wenn mal ein Staatsanwalt die Ermittlungen aufnahm, wurde er sofort von seinem Ministerium wieder zurĂŒckgepfiffen. Die Treuhand hat sehr viel Schaden angerichtet und das Leid von Hunderttausenden auf dem Gewissen. Aber was ist dieses Leid gegen ein paar BĂŒndel Scheine in den HĂ€nden, bzw. auf einem Schweizer Konto.

 Immer mehr BĂŒrger wurden ruiniert. So setzte die Abwanderungswelle in den Westen ein, wo es immer noch Arbeit gab und der Lohn oft doppelt so hoch war, wie im Osten. Eine der grĂ¶ĂŸten Sparkassen Ost-Deutschlands, die Chemnitzer Sparkasse, hatte deshalb große LiquiditĂ€tsprobleme. Zig-tausend BĂŒrger verließen ihre gerade erst fertig gestellten HĂ€user, weil sie arbeitslos geworden waren und wanderten in den Westen ab. Mieter waren nicht mehr zu finden. Bei Versteigerungen blieben die Banken auf den Immobilien sitzen. Die Kredite wurden nicht mehr bedient. Ende der neunziger Jahre erreichte dieser Zustand seinen Höhepunkt.

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 Aber bereits 1993 fing das Chaos an. Wir merkten noch wenig davon. Unser GeschĂ€ft boomte. Fördermittel gab es in HĂŒlle und FĂŒlle. Und es gab immer noch genĂŒgend BĂŒrger und StĂ€dte, die ihre HĂ€user sanieren wollten. Nur das allgemeine Klima verschlechterte sich dramatisch.

 In Heerscharen ĂŒberschwemmten selbst ernannte Finanzmakler das Land. Versicherungen wurden immer öfter unter falschen Voraussetzungen verkauft. Z.B. eine Vertriebsorganisation der Karlsruher Versicherung erzĂ€hlte den BĂŒrgern, dass sie nach zwei Jahren die Versicherungssumme von jeder Bank zinslos erhalten wĂŒrden. So wurde den BĂŒrgern die letzten Pfennige aus dem Geldbeutel gezogen. Nach zwei Jahren hatten die Leute null Guthaben auf den Policen und keine Bank konnte das Versprechen einlösen. Doch dann war es fĂŒr die meisten schon zu spĂ€t. Die Vermittler hatten ihr Geld verdient, da die Stornohaftung nur 2 Jahre betrug. Dieses Verhalten wollte ich mit dem damaligen Filialdirektor der Karlsruher in MĂŒnchen telefonisch klĂ€ren. Doch der meinte nur: “Herr Bauer, was interessiert mich das, wie die da drĂŒben verkaufen. Da kommen jeden Monat 20 Millionen rĂŒber”. Er tolerierte diesen Betrug.

 Ein GesprĂ€ch mit einem Reporter der Freien Presse, der daraus zwei Artikel machte, beendete diesen Spuk. Die Vertriebsorganisation der Karlsruher wurde aufgelöst und die Veranstalter packten ihre Koffer. Eine Stornowelle erschĂŒtterte die Karlsruher Versicherung. Auch die Kunden, denen die Versicherungen korrekt verkauft wurden, kĂŒndigten ihre Policen.

 Massenarbeitslosigkeit entstand durch die hohen Subventionen, die nicht in die Betriebe flossen, sondern in die Taschen weniger skrupelloser GeschĂ€ftsleute und Beamten abgezweigt wurden, die halt Beziehungen haben, wie einer es selbst nannte. Die Schuldigen fĂŒr die geplatzten TrĂ€ume waren schnell entlarvt: WestbĂŒrger und AuslĂ€nder. Die ersten Anti-West Parolen waren schon zu hören. Es kam immer öfter zu massiven Übergriffen auf WestbĂŒrger und andere AuslĂ€nder. Statistisch wurde allein in Chemnitz jede Woche ein AuslĂ€nder abgemurkst. Die TĂ€ter hatten strafrechtlich nichts zu befĂŒrchten. Nicht selten schauten Uniformierte tatenlos zu. Und wenn sich AuslĂ€nder wehrten, wurden sie ruck zuck verurteilt und kamen ins GefĂ€ngnis, oder wurden abgeschoben.

 Doch das tatsĂ€chliche Problem, die enorme Abwanderung, war damals noch nicht zu erkennen. So hat sich z.B. die Einwohnerzahl von Chemnitz  innerhalb von 15 Jahren halbiert. Nur durch die Eingemeindung umliegender StĂ€dte wurde die Einwohnerzahl stabilisiert. Übrig geblieben sind die Rentner und die Chaoten, die sich dort ungehindert austoben können. Vandalismus an jeder Straßenecke gehört zum Stadtbild. Und so bald es dunkel wird, fahren die Straßenbahnen ohne GĂ€ste, weil sich keiner mehr auf die Straße traut.

 Aber auch wir hatten ein Problem. Wir mussten sehr viel Steuern bezahlen. Also mussten auch wir etwas dagegen machen und kauften Mehrfamilien-WohnhĂ€user, die wir sanierten und vermieteten, bzw. in Eigentumswohnungen umwandelten und teilweise an Selbstnutzer und Kapitalanleger verkauften.

 Die Immobilienschiene bauten wir 1993 auf. Das letzte Objekt kauften wir im FrĂŒhjahr 1995 und verkauften es unsaniert, aber mit einer Darlehenszusage ĂŒber Fördermittel, mit 60.000.- DM Gewinn an eine Baufirma Ende 1995 weiter. Auch diese Firmen meldeten wir Ende 1995 ab.

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 Das Jahr 1993 hat wegen einer anderen Sache mein Leben verĂ€ndert. Nun hatten wir fast drei Jahre lang ununterbrochen gearbeitet. Meine Freundin und ich wollten im Sommer zwei Wochen an die Costa Brava zum campen fahren. Auch meinen damals 16-jĂ€hrigen Sohn wollten wir mitnehmen. Doch kurz vor Beginn der Urlaubsreise wurde ein wichtiges Examen vorverlegt, an dem meine Freundin teilnehmen musste. Ich wollte die Reise verschieben, doch damit war sie nicht einverstanden und ĂŒberredete mich, nur mit meinem Sohn Urlaub zu machen. Von Spanien aus rief ich fast tĂ€glich im BĂŒro an. In den letzten Tagen des Urlaubs hatte mein Sohn seine erste große Liebe, eine 18-jĂ€hrige Schweizerin kennen gelernt und nun turtelte er den ganzen Tag nur noch mit ihr rum. Sie wollten zwei Tage lĂ€nger dort bleiben als wir. Deshalb nervte mich mein Sohn laufend, auch noch zwei Tage lĂ€nger Urlaub zu machen.

 Am Vorabend des letzten Urlaubstags rief ich im BĂŒro an und wollte mich erkundigen, ob eine VerlĂ€ngerung um zwei Tage zu verschmerzen wĂ€re. Doch im BĂŒro meldete sich niemand. War Sonntag. Ich rief zu Hause an. Auch dort meldete sich niemand. Meine kleine Zuckerschnecke konnte nur noch bei ihrer Mama sein, dachte ich und rief dort an. TatsĂ€chlich, sie war dort. Ich schilderte ihr den Sachverhalt und sie stimmte sofort der VerlĂ€ngerung um zwei Tage zu. Beratungstermine hatte sie erst in der Folgewoche vergeben. Mein Sohn war ĂŒberglĂŒcklich, als ich ihm die VerlĂ€ngerung des Urlaubs mitteilte Zwei Tage spĂ€ter starteten wir die Heimreise und fuhren die 1000 km non-stop. Meinen Sohn setzte ich zu Hause ab und fuhr weiter Richtung Chemnitz.

 So gegen 21.00Uhr hielt ich an der damaligen Zwickauer Autobahntankstelle und rief meine Freundin an. Sie war noch im BĂŒro. Dort wollte sie warten, bis ich da bin, weil noch ein paar wichtige Sachen zu besprechen waren. Eine halbe Stunde spĂ€ter war ich in Chemnitz, stellte das Wohnmobil direkt vor das BĂŒrogebĂ€ude und ging hinein. Auf dem Flur, vor unserem BĂŒro standen ein halbes Dutzend Personen. Mich graute. So spĂ€t und nach der langen Reise noch Beratungen durchfĂŒhren, das passte mir ja gar nicht. Einer der Personen fragte mich, ob ich Siegfried Bauer bin. Ich bejahte diese Frage. Daraufhin zeigten mir alle Personen ihren Dienstausweis. Es waren Leute von der Kripo. Ich bat sie, mit ins BĂŒro zu kommen. Wir gingen hinein, ich begrĂŒĂŸte meine Freundin und stellte die Personen vor. Ich fragte sie, was sie auf dem Herzen hatten. Sie waren tot ernst.

 Der AnfĂŒhrer der Gruppe sagte, dass von der Staatsanwaltschaft in SchwĂ€bisch Hall ein Haftbefehl gegen mich vorliegt. Ich hĂ€tte zwei Tage vorher in Öhringen, bei SchwĂ€bisch Hall einen Geldtransporter ĂŒberfallen und einen Wachmann erschossen. Mehrere Zeugen hĂ€tten mich auf Grund eines Phantombildes erkannt und zweifelsfrei identifiziert. Nun erkannte ich den Ernst der Lage. Das heißt lebenslang Knast. Meine Freundin war total geschockt. Ich ĂŒberlegte und sagte den Beamten, dass ich gerade aus Spanien komme, wo ich die letzten 16 Tage Urlaub machte. Er fragte mich, ob ich dies beweisen könnte. Die Quittung vom Campingplatz hatte ich im Wohnmobil. Wir gingen hinunter und ich zeigte ihnen die AufenthaltsbestĂ€tigung vom Campingplatz. Sie funkten nun zu ihrer Zentrale und teilten denen das mit. Ein paar Minuten spĂ€ter wurde zurĂŒckgefunkt, dass sie mich festhalten sollten, bis Interpol dies ĂŒberprĂŒft hĂ€tte. Wir redeten ĂŒber dies und das. Die Beamten machten einen lockeren Eindruck. Eine Stunde spĂ€ter kam der Funkspruch von der Zentrale, dass Interpol mein Alibi ĂŒberprĂŒft hatte und alle Camper, die in der NĂ€he von uns waren, sowie die Dame an der Rezeption mein Alibi bestĂ€tigten. Die Beamten entschuldigten sich sogar fĂŒr diesen Vorfall und verabschiedeten sich. Ich ging wieder ins BĂŒro zurĂŒck. Mir wurde auf einmal ganz schlecht.

 Diese Sache beschĂ€ftigte mich mehrere Tage lang und ich recherchierte auch. Das Telefon im BĂŒro und zu Hause wurde schon seit Wochen abgehört. Dass ich den Urlaub verlĂ€ngert hatte, teilte ich ja meiner Freundin mit, als sie bei ihrer Mutter war. Der Überfall fand am Montag Abend statt. Also hĂ€tte dies exakt gepasst, wenn ich den Urlaub nicht verlĂ€ngert hĂ€tte. Unser SchwĂ€bisch Haller Staatsanwalt, ein leidenschaftlicher Zocker, der die Möglichkeit zum Abhören von Telefonaten hatte, konnte auf einmal seine ganzen Spielschulden bezahlen. Dies eilte sehr. Die meisten Spielschulden hatte er bei einem PizzabĂ€cker in seiner Nachbarschaft, der gerade seinen zweiten Ferrari geliefert bekam und nun bezahlen musste. Und dann sieht mir ein SchwĂ€bisch Haller Polizist sehr Ă€hnlich. Von den RĂ€ubern war nur einer unmaskiert. Und der hatte sich den Passanten zur Schau gestellt, damit man ihn beschreiben konnte. Als die Passanten noch am Tatort befragt wurden und denen mein bereits vorliegendes Foto zeigte, bestĂ€tigten alle, dass der unmaskierte TĂ€ter mit dem Foto identisch sei. Dieser Staatsanwalt mit seinen Helfern in grĂŒner Uniform hatten also mich als SĂŒndenbock fĂŒr den Überfall und den Mord ausgesucht, fĂŒr das ich ein Leben lang bĂŒĂŸen sollte!

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 Auch fĂŒr SchwĂ€bisch Hall sind solche VerhĂ€ltnisse nichts Neues. Der vorangegangene Staatsanwalt, der den ersten Porsche Turbo in dieser Stadt fuhr, wurde von Versicherungsdetektiven ĂŒberfĂŒhrt, als er wieder mal Schmuck fĂŒr mehrere hundert tausend DM mit in den Urlaub nahm, dort aber angeblich nie angekommen ist. Na ja, er kann es verschmerzen. Als Strafe fĂŒr Betrug in Millionenhöhe bekam er 6 Monate GefĂ€ngnis, wobei die bereits verbĂŒĂŸten 6 Monate U-Haft angerechnet wurden und er den Gerichtssaal als freier Mann verlassen durfte. In der U-Haft konnte er ĂŒber sein ergaunertes Vermögen frei verfĂŒgen. Als weitere Strafe durfte er nicht mehr auf Staatsanwalt machen, sondern nur noch als Anwalt, der Arme. Solche FĂ€lle erinnern mich an das SEK in Köln, der Spezialeinheit des Landes Hessen, die mehrere RaubĂŒberfĂ€lle durchgefĂŒhrt und sogar Leute erschossen hatten. Dieses Sondereinsatzkommando wurde natĂŒrlich sofort aufgelöst und die Beamten suspendiert, welch eine Strafe.

 Oder als das BKA 1995 gegen 30 Dresdner BGS-Beamte wegen des Verdachts des Waffenhandels, Menschenschmuggels und Verrat von Dienstgeheimnissen ermittelte. Die Beamten waren im Nebenberuf als ZuhĂ€lter tĂ€tig. Aufgeflogen ist die ganze Sache, als ein BGS-Beamter mehrere Kilo Heroin ĂŒber die HollĂ€ndische Grenze schmuggeln wollte und dabei erwischt wurde. Als in Chemnitz wieder mal ein Kindermörder gesucht wurde, wandte sich ein Polizeipsychologe ĂŒber das Fernsehen an die Öffentlichkeit. Er sagte: „Der TĂ€ter ist geistig unterbemittelt. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass es sich bei dem TĂ€ter um einen Polizeibeamten oder Feuerwehrmann handelt“. Auf Grund dieser Aussage wurde der TĂ€ter, ein Polizist, ein paar Tage spĂ€ter festgenommen.

 Oder als ich mal in SchwĂ€bisch Hall einen Polizisten wegen mehrerer Verfehlungen anzeigte. Seine Kollegen gaben ihm ein Alibi, dass er zu der fraglichen Zeit Dienst gehabt hĂ€tte. Er erstattete daraufhin gegen mich Anzeige wegen falscher Anschuldigung. Als Beweis fĂŒr die Behauptung meiner Anzeige forderte ich das Dienstbuch des Reviers, das nachtrĂ€glich nicht manipuliert werden kann. Dies verweigerte der e-renwerte Richter. Ich wurde wegen falscher Anschuldigung verurteilt. So macht man das. Und dies alles findet in einem demokratischen Rechtsstaat statt. Dass ich nicht noch mal auf so eine perverse Idee komme, einen Polizisten anzuzeigen, wurde ich von einer Bekannten des Polizisten ein paar Monate spĂ€ter als Exhibitionist beschuldigt und natĂŒrlich auch verurteilt. Sehen Sie, so geht das. Wieder was gelernt.

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 Doch nun wieder in den Osten, der ja zum Aufbau einer Verwaltung genug zweit- und drittklassige Beamte aus dem Westen zur VerfĂŒgung gestellt bekommen hat. Ausnahmen gibt es aber auch dort.

 Im Winter 1992 auf 1993 wurde mein Pirelli Golf GTI 1 mehrmals aufgebrochen und  ausgeraubt. Ein paar mal hatte man auch versucht, ihn kurzzuschließen. Mit gleich zwei im Innenraum versteckten Schaltern hatte ich aber den Stromkreis unterbrochen. Das Fahrzeug lies sich nicht einfach starten. Alle Straftaten wurden in den NĂ€chten von Sonntag auf Montag verĂŒbt. Die Polizei hatte zwar die Anzeigen entgegengenommen, aber nie etwas unternommen. Deshalb hatte ich mich in der nĂ€chsten Sonntagnacht mit dem Wohnmobil ein paar ParkplĂ€tze weiter platziert und Wache gehalten. Bereits gegen Mitternacht kam ein PKW und parkte ein paar Meter von meinem GTI entfernt. Es stiegen 4 Personen aus, die zielgerichtet auf mein Fahrzeug zugingen. Ich stieg aus dem Wohnmobil aus und ging zu den Personen, die sich durch meine Anwesenheit nicht stören ließen. Ich fragte sie, ob ich was helfen könnte, da ich ja den passenden SchlĂŒssel hĂ€tte. Niemand antwortete. Sie drehten sich nur zu mir um. Da schnappte mir den KrĂ€ftigsten von denen am Hals, drĂŒckte ihn gegen das Auto und schob ihn ein paar Zentimeter höher. Der wehrte sich nicht mal, sondern röchelte nur nach Luft. Die anderen drei rannten in voller Panik davon und versteckten sich hinter den parkenden Autos. Weil er Typ, den ich immer noch am Hals festhielt, verdĂ€chtig zappelte, ließ ich ihn wieder herunter, nahm mein Handy und rief die Polizei an. Er machte nicht den geringsten Fluchtversuch. Weil das Polizeirevier ca.3 km entfernt war, dauerte es ca. 30 Minuten, bis die Beamten da waren. Sie holten die anderen 3 Typen zwischen den Autos hervor und nahmen die Personalien auf. Diese Typen hatten nur Jogging-Klamotten an und wĂ€ren fast erfroren.

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 Ein Jahr spĂ€ter gab es eine Gerichtsverhandlung. Ich sollte diese Leute identifizieren. Das konnte ich beim besten Willen nicht mehr mit 100%iger Sicherheit. Die Personalien, die die Polizisten vor einem Jahr von den vier aufgenommen hatten, fehlten in der Gerichtsakte. Also wurde der Prozess mangels Beweis eingestellt.

 Zwischenzeitlich hatte ich mir ein anderes Fahrzeug gekauft und meinen GTI  an einer stark frequentierten Straße, 50 m hinter einem  Taxistand abgestellt und mit einem Verkaufsplakat an der Frontscheibe versehen. Ein paar Tage spĂ€ter war das Fahrzeug weg. Nein, nicht verkauft, sondern gestohlen. Das Fahrzeug musste abgeschleppt worden sein, da ich ja zwei ZĂŒndkreisunterbrechungsschalter eingebaut hatte. Von den Taxifahrern will niemand etwas gesehen haben. So gab ich in der örtlichen Presse eine Anzeige auf, wo ich 2000.- DM Belohnung fĂŒr Hinweise auf die TĂ€ter versprach.  Noch am selben Tag meldete sich ein stadtbekannter Autodieb, der seinen Kollegen verpfiff.

 Ein paar Tage spĂ€ter besuchte ich die Eltern des genannten Autodiebs. Der TĂ€ter gab alles sofort zu und verriet auch die Namen seiner drei Kollegen, die beim Abschleppen meines Fahrzeugs auch mithalfen. Zwischenzeitlich wurde das Fahrzeug ausgeschlachtet in einem Wald gefunden. Alle TĂ€ter waren damit einverstanden, den Schaden auf einer unserer Baustellen abzuarbeiten und ich verzichte auf eine Anzeige. Der ADAC berichtete damals in seiner Zeitschrift darĂŒber. Dies ging ungefĂ€hr zwei Wochen gut. Am darauf folgenden Montag kamen nur zwei zur Arbeit, die anderen zwei fehlten auf der Baustelle. Kurz darauf stellte ich fest, dass in der vergangenen Nacht auf der Baustelle eingebrochen und viel Werkzeug gestohlen wurde. Ich fuhr zum AnfĂŒhrer der Gang, der ganz verschlafen öffnete. Nachts arbeiten ist halt anstrengend. Er wusste sofort was los war und flĂŒchtete blitzschnell das Treppenhaus hinunter. Er versteckte sich ca. 50m entfernt hinter einem Busch. Ich ging zu meinem Fahrzeug, holte den Ersatzkanister aus dem Kofferraum und leerte das Benzin ĂŒber sein Fahrzeug. Dabei beobachtete er mich. Ich gab ihm 10 Minuten Zeit, das gestohlene Werkzeug herauszugeben, da ich sonst sein Auto abfackeln wĂŒrde. Er schaffte es in 5 Minuten.

 Mit seinem Auto, das nicht versichert war, fuhr er ohne FĂŒhrerschein noch am selben Tag zur Polizei und erstattete Anzeige gegen mich wegen Nötigung. Obwohl er mit zwei Haftbefehlen gesucht wurde und der Polizei schon durch viele andere Straftaten bekannt war, konnte er unbehelligt das Polizeirevier verlassen. In den ganzen Jahren war dies die einzige Anzeige gegen mich, die der Staatsanwalt eingestellt hatte. Gleichzeitig ermittelte er gegen mich, weil ich die Namen der TĂ€ter, die meinen GTI gestohlen hatten, nicht preisgab. Er drohte mir Beugehaft an und ermittelte noch zusĂ€tzlich wegen Umweltverschmutzung gegen mich, weil ich Benzin ĂŒber das Auto des Autodiebs geleert hatte, damit ich mein gestohlenes Werkzeug zurĂŒckbekam. Gegen den TĂ€ter hatte er sĂ€mtliche Anzeigen mangels öffentlichem Interesse eingestellt.

 Lediglich die zwei Namen der TĂ€ter, die mir das Werkzeug gestohlen hatten, gab ich Preis.

 Die anderen zwei arbeiteten fleißig ihren Anteil der Schulden auf der Baustelle ab. Je Stunde rechnete ich 15.- DM an. Nachdem der Schaden abgearbeitet war, stellte ich diese zwei Leute mit 15.- DM ein. Erst Ende 1995, als wir alle Firmen abmeldeten, musste ich diese zwei fleißigen Leute entlassen. Wir sind sogar gute Freunde geworden. Die zwei Autodiebe, die mein Werkzeug gestohlen hatten, fingen nun damit an, mich zu terrorisieren. Juristisch hatten sie ja absolut nichts zu befĂŒrchten.

 In der folgenden Nacht zerkratzten sie mir mein neues Auto komplett. Ich nahm dies gelassen, da anderen Investoren viel mehr Schaden zugefĂŒgt wurde, ohne dass die TĂ€ter belangt wurden. Eine Nacht spĂ€ter hatten diese zwei Autodiebe nochmals mein neues Auto demoliert. Sie rissen die Spiegel ab und hebelten die Stoßstangen heraus. Jetzt betrug der Schaden ca. 4.000.- DM. Ich erstattete Anzeige und gab die zwei Autodiebe als VerdĂ€chtige an. Die Freude der Polizisten war nicht zu ĂŒbersehen, als ich denen die bisher angerichteten SchĂ€den erzĂ€hlte. Ermittelt wurde natĂŒrlich nicht. Ein paar NĂ€chte spĂ€ter wurde mein Zweitwagen, ein Trabant, gestohlen. Wieder erstattete ich Anzeige. Die Polizisten hatten wirklich viel Spaß bei der Aufnahme der Anzeigen. Sie tobten vor Lachen. Na ja, was hĂ€tten Sie gemacht, liebe Leser ?

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 Ich beauftragte ein paar Leute, die nun auf der Baustelle und bei den TĂ€tern Wache hielten. Als dann in der Nacht der AnfĂŒhrer der TĂ€ter von einer Diebestour wieder nach Hause kam, informierten meine Leute ĂŒber Handy das Polizeirevier, da er ja mit zwei Haftbefehlen gesucht wurde. Weil kein OrdnungshĂŒter kam, riefen die Leute immer wieder auf dem Polizeirevier an und nervten die Beamten. Endlich kam ein VW-Bus, vollgepackt mit Beamten, die das Haus umstellten und den TĂ€ter herausklingelten. Er wurde festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt gebracht.

 Es kehrte wieder Ruhe ein. FĂŒr ein paar Tage. Eine Woche spĂ€ter wurde der Autodieb entlassen, obwohl die Haftbefehle immer noch vorlagen. Beziehungen sind halt alles, vor allem, wenn der Onkel ein leitender Staatsanwalt ist. Der macht seine eigenen Gesetze und scheißt auf das Grundgesetz. Der Autodieb hatte mich sofort nach der „Entlassung“ aus dem Knast angerufen und mir mitgeteilt, dass sie mich nun „alle“ machen. Auf deutsch heißt das: umbringen, liquidieren. Noch am gleichen Abend, als ich mit meiner Honda von der Baustelle zurĂŒck zur Wohnung fuhr, verfolgte mich eine Gruppe von Fahrzeugen, die mir bekannt vorkamen. Ich hielt an einer Kreuzung, an einer roten Ampel an. Ein Fahrzeug fuhr neben mich auf die Abbiegespur, die anderen hielten ca. 100m hinter mir an. Am Steuer des BMW neben mir saß der Autodieb und winkte mir zu. Sein grinsen reichte von der FahrertĂŒre zur BeifahrertĂŒre. Nun hupte er. Die Fahrzeuge hinter mir beschleunigten mit quietschenden Reifen und fuhren auf mich zu. Nun musste ich grinsen. Hat der Typ neben mir wegen des Vollhelms aber wahrscheinlich nicht gesehen. Ich gab Gas und fuhr auf dem Hinterrad ĂŒber die Kreuzung, bis ca. 120km/h, dann kam das Vorderrad wieder herunter. Von 0 – 100 km/h benötigte ich mit meiner Fireblade lediglich 40m, auf 200 km/h ca. 400m. Good-bye ihr Scheißer, dachte ich nur. 

 Ich fuhr nicht nach Hause, sondern direkt zum Polizeirevier und erstattete Anzeige wegen der Drohung am Vormittag und wegen dem gerade ĂŒberlebten Mordversuch. Die Polizisten waren jetzt sichtlich genervt. Einer meinte, dass sie sich nicht nur mit solchen Kindereien beschĂ€ftigen können. Zuerst weigerten sie sich sogar, eine Anzeige aufzunehmen. Ich wusste, woran ich war. Straftaten gegen WestbĂŒrger hatten die volle UnterstĂŒtzung dieser Polizeibeamten.  Ein paar Tage spĂ€ter, als ich mit dem PKW in der Innenstadt unterwegs war, hielt wieder ein Fahrzeug dieser Gang neben mir an. Der Beifahrer brĂŒllte heraus, dass sie nun mein Haus wieder zur Baustelle machen wollen. Er lachte wie ein geistesgestörter. Ich stieg aus. Der Fahrer gab Gas und flĂŒchtete bei Rot ĂŒber die Kreuzung, trotz Gegenverkehr und verschwand.

 Ein paar Tage spĂ€ter fuhr diese Gang in den spĂ€ten Abendstunden mit mehreren Fahrzeugen ganz langsam an unserem Haus vorbei. Meine Mieter und der Autodieb Mirco, den ich zwischenzeitlich eingestellt hatte feierten im Garten. Wir sahen, wie die Fahrzeuge vor dem Haus hielten. Mirco stand auf und rannte auf die Leute zu. Die stiegen wieder blitzschnell in ihre gestohlenen Fahrzeuge ein und flohen in Panik, vor- und rĂŒckwĂ€rts. Dabei beschĂ€digten sie das Fahrzeug eines Mieters, das auf dem Gehsteig abgestellt war. Die Feier ließen wir uns durch diesen Zwischenfall nicht verderben. Der Mieter wollte am nĂ€chsten Tag Anzeige erstatten.

 Kurz nach Mitternacht kam diese Gang schon wieder vorgefahren und hielt wieder vor dem Haus an. Wir wussten nicht, wie diese Gang bewaffnet ist und hielten es fĂŒr sicherer, dass die Mieter ins Haus gingen und von dort aus den weiteren Verlauf beobachteten. Mirco und ich gingen Richtung Straße. Die Jungs holten gerade ihre Eisenstangen aus dem Kofferraum. Ich trat mit dem Fuß zweimal gegen das erste Auto. Zwei große Dellen zeigte den Jungs, dass meine Karateausbildung nicht umsonst war. Sie stiegen alle sofort wieder in die Fahrzeuge und flĂŒchteten wieder. Die Party ging weiter, der Grill war noch an. Eine halbe Stunde spĂ€ter stoppte eine ganze Kolonne von Fahrzeugen vor unserem Haus. Vier Fahrzeuge waren grĂŒn-weiß lackiert und hatten ein blaues Licht auf dem Dach, die anderen Fahrzeuge, die teilweise gestohlen und nicht versichert waren, gehörten der Gang. Mirco und ich gingen auf die Straße. Ca. 1 Dutzend Polizisten kreisten mich ein. Die anderen durchsuchten das GrundstĂŒck nach Waffen.

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 Sie fragten mich, ob ich die SachbeschĂ€digung, die große Dellen in einem der Fahrzeuge der Gang, begangen hatte. Dies bejahte ich. Mirco konnte dies nicht fassen und ist ausgerastet. Er schlug gleich auf mehrere Typen dieser Gang ein. Dadurch ließen sich die „Polizisten“ ablenken. Ich ging zu Mirco und zog ihn zurĂŒck. Auf so etwas warteten die „Polizisten“ ja nur. Nun  zeigte ich den „Polizisten“ die SachbeschĂ€digung am Fahrzeug des Mieters, die von der Gang ein paar Stunden vorher begangen wurde. Die Schleifspuren waren am TĂ€terfahrzeug auch ĂŒber die gesamte Seite erkennbar. Das Fahrzeug des TĂ€ters war nicht angemeldet. Der Fahrer hatte keinen FĂŒhrerschein. Doch dies interessierte die „Polizisten“ nicht. Der AnfĂŒhrer der GrĂŒnen Gang meinte, dass sie wegen mir da sind und nicht wegen den anderen. Er fragte die Leute von der Gang, wessen Fahrzeug versichert ist und wer einen FĂŒhrerschein hat. Einer meldete sich. Er sagte ihm, dass er den Schaden an dem Fahrzeug meines Mieters seiner Versicherung melden sollte, die wĂŒrde das bezahlen. Weil ich die SachbeschĂ€digung, die Dellen an einem der TĂ€terfahrzeuge, zugegeben hatte, war die Sache fĂŒr das große Aufgebot von „Polizisten“ vorlĂ€ufig abgeschlossen. Der AnfĂŒhrer der „grĂŒnen Gang“ sagte, dass ich eine Anzeige wegen SachbeschĂ€digung bekomme. Somit war der Einsatz beendet und die „GrĂŒne“, sowie die andere Gang stiegen in die Fahrzeuge ein und fuhren weg.

 Die Anzeigen, die ich gegen die Gang erstatte, wurden alle wegen mangelndem öffentlichem Interesse eingestellt, die Anzeige gegen mich fĂŒhrte zu einer Gerichtsverhandlung, wo ich zu 2.000.- DM Geldstrafe und zur Wiedergutmachung des Schadens in Höhe von 2.000.- verurteilt wurde. Ich erstatte in meinem jugendlichen Leichtsinn Anzeige gegen den AnfĂŒhrer der „GrĂŒnen Gang“ wegen Aufforderung zu einer Straftat, bzw. Beihilfe zu einer Straftat.  Dies konnte niemand leugnen. Es waren zu viele Zeugen dabei, auch meine Mieter und die ganzen Nachbarn, die bestĂ€tigen konnten, dass der AnfĂŒhrer der grĂŒnen Gang die Jungs zum Versicherungsbetrug angestiftet hatte.. Einen Tag nach meiner Anzeige gegen den Einsatzleiter der GrĂŒnen Gang rief mich der Leiter des Polizeireviers an und bat mich darum, die Anzeige zurĂŒckzuziehen, da diese Anzeige u.U. schwerwiegende Konsequenzen fĂŒr diesen Beamten hĂ€tte. Ich verneinte. Er rief mich in den Folgetagen noch ein paar mal an, bis ich die Anzeige zurĂŒckzog. Anstatt dieses Entgegenkommen zu wĂŒrdigen, war ich ab jetzt der Rache der „grĂŒnen Gang“ ausgeliefert. Auch hier wurde mir gezeigt, was die Jungs in ihren grĂŒnen Uniformen bei der STASI alles gelernt hatten und wie man mit dem Staatsfeind Nr.1, den WestbĂŒrgern umgeht. Der staatlich organisierte Terror ging jetzt erst richtig los.

 In den folgenden Wochen wurde ich  laufend kontrolliert. War aber immer alles in Ordnung. Beleuchtung, Warndreieck, Verbandskasten, Reifenprofil und Alkoholkontrolle. Wie lange sollte dieses kriminelle Verhalten der „Polizisten“, die die Gangs in jeglicher Weise zu immer neuen Straftaten motivierten, noch anhalten? Die HĂ€lfte meiner Arbeitszeit verwendete ich mit Anzeigen erstatten, TĂ€ter ermitteln und Gerichtsverhandlungen besuchen, bei denen ich fast immer verurteilt wurde. Die TĂ€ter hatten von der Justiz absolut nichts zu befĂŒrchten. Trotzdem ging es mir noch gut, im VerhĂ€ltnis zu den laufend abgemurksten Asylbewerbern. Ich kam mir schon vor wie ein Jude im Dritten Reich – ein BĂŒrger ohne Rechte. In den nĂ€chsten Wochen hatte ich öfter mal Besuch von der Kripo. In den frĂŒhen Morgenstunden wurde ich immer wieder aus dem Bett gelĂ€utet.  Meine Fahrzeuge und meine Garage wurden jedes mal nach Beweismaterial durchsucht. Der Hintergrund dieser Aktionen war, dass dieser Gang die Fahrzeuge schneller abgefackelt wurden, als sie neue klauen konnten.

 Klar, dass ich verdĂ€chtigt wurde..... aber ich hatte auf einmal meine Ruhe und konnte meine Zeit wieder mit arbeiten verbringen. Dass ich verdĂ€chtigt wurde, hatte nur Vorteile fĂŒr mich. Erstens wurde ich aus dem NachbargebĂ€ude ca. Âœ Jahr lang vom Staatsschutz observiert und deshalb durfte diese Gang auch keine AnschlĂ€ge mehr in dieser Zeit durchfĂŒhren. Und zweitens machten diese Jungs einen großen Bogen um unser Wohnviertel und belĂ€stigten mich nicht mehr. Diese Jungs waren nur noch damit beschĂ€ftigt, immer neue Autos klauen zu mĂŒssen, weil die Autos aus unerklĂ€rlichen GrĂŒnden immer in Flammen aufgingen. Wenn ich mal den einen oder anderen an einer Tankstelle getroffen hatte, wo sie tagsĂŒber rumlungerten und Alkohol tranken, dann haben die sich in die Hosen gepinkelt.

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 Doch die Mafia, bzw. Justitia denkt da anders. Bei jeder Gerichtsverhandlung war eine immer dicker werdende Akte dabei, aus der alle „Straftaten“ hervor gingen, fĂŒr die ich verdĂ€chtigt wurde, mir aber nicht nachgewiesen werden konnten. Und das, obwohl die “GrĂŒnen Gangs“ fast jede Nacht vor meiner HaustĂŒre Wache hielten. Nicht um mich zu beschĂŒtzen, nein, sondern um mich auf frischer Tat zu erwischen. 

 Die Urteile waren bereits vor Beginn jeder Verhandlung festgelegt. Meine AnwĂ€lte schĂŒttelten zwar immer wieder den Kopf und meinten, dass sie so etwas noch nie erlebt hatten, doch der „Rechtsstaat“ zeigte mir, wo es lang geht. Die STASI hat ihre eigenen Gesetze, sogar mit Tolerierung des Staatsministeriums der Justiz. Mit Rechtstaatlichkeit hat dies nichts mehr zu tun. Davon trĂ€umen die nicht mal nachts. Auch durch einen „BRD-Pass“, fĂŒhlt sich ein Stasi-Offizier noch lange nicht dem Grundgesetz verpflichtet.

 Mindestens ein Jahr lang konnte ich mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren. Dann ging das Theater von vorne los. Unsere GerĂŒstteile, die wir fĂŒr 50.000.- DM gekauft hatten und auf unserer Zwickauer Baustelle gelagert waren, wurden gestohlen. FĂŒr den Kauf der GerĂŒstteile hatten wir uns entschieden, weil die Mietkosten ab dem 4. Objekt höher gewesen wĂ€ren, als der Kauf.

 Ich telefonierte eine Woche lang mit Baufirmen, GerĂŒstverleiher etc., ob GerĂŒstteile zum Kauf angeboten wurden. Ohne Erfolg. Von einem unserer Handwerker bekam ich dann den Hinweis, dass er GerĂŒstteile an einem Haus in Hartmannsdorf bei Chemnitz mit meinem Emblem darauf gesehen hatte. Ich fuhr dort hin und fand auch bald ein eingerĂŒstetes Haus, auf  dem mein Emblem drauf war. Mehrere Handwerksbetriebe arbeiteten im Haus. Ich fragte, wer das GerĂŒst aufgebaut hatte. Sie gaben bereitwillig Auskunft und erzĂ€hlten mir, dass die Dachdecker damit geprahlt hatten, die GerĂŒstteile gestohlen zu haben. Mehrere Handwerker unterschrieben mir sogar eine eidesstattliche ErklĂ€rung mit dieser Aussage. Ich fuhr anschließend zum Dorf-Polizeirevier und erstattete Anzeige gegen die Dachdecker und legte die eidesstattlichen ErklĂ€rungen vor. Der Polizist fuhr mit seinem Fahrzeug auch mit zu diesem Haus und vergewisserte sich davon, dass die GerĂŒstteile mit meinem Emblem beschriftet waren. Vier Wochen spĂ€ter erhielt ich von der Staatsanwaltschaft ein Schreiben, dass die Ermittlungen eingestellt wurden, weil die TĂ€ter nicht ermittelt werden konnten.

 Ich fuhr wieder zum Dorf-Polizeirevier nach Hartmannsdorf und konfrontierte den Beamten mit dem Schreiben der Staatsanwaltschaft. Es interessierte ihn ĂŒberhaupt nicht. Er argumentierte dahingehend, dass sich die Jungs nur das holen, was Helmut denen versprochen hat. Sein Kollege musste natĂŒrlich auch noch seinen Senf dazu geben. Er meinte, dass die Wessis doch genug Geld haben, da kommt es nicht auf ein paar tausend Mark an. Aha, wieder was gelernt. Und so was bekommt vom Steuerzahler auch noch Geld, dachte ich. FĂŒr diese Staatsdiener hatte ich nur ein mitleidiges LĂ€cheln ĂŒbrig und ging wieder, ohne mich zu verabschieden.

 War ja bisher auch nicht anders. Nur dass diese „Polizeibeamte“ ganz offensichtlich ihre staatsfeindliche Gesinnung preisgaben war neu. Die hatten wenigstens den Mut dazu, das zu sagen, was die meisten anderen in grĂŒner Uniform nur dachten. Ich telefonierte mit unserer Dachdeckerfirma in Gera, mit denen wir eigentlich sehr zufrieden waren und unsere Raten auch immer pĂŒnktlich bezahlt hatten. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer versicherte mir, dass er mit dieser Sache nichts zu tun habe. Ich glaubte ihm. Er gab mir den Rat, mit seinem Vorarbeiter Kontakt aufzunehmen, der vor ein paar Wochen gefeuert wurde und nun eine eigene Dachdeckerfirma gegrĂŒndet hat. Ich bekam Telefonnummer und Anschrift. Ich telefonierte mit dem Ex-Vorarbeiter. Er druckste herum. Letztendlich versprach er, die GerĂŒstteile wieder zurĂŒckzubringen. Am nĂ€chsten Tag rief er uns an und sagte, dass er die GerĂŒstteile bei Hartmannsdorf, Richtung Chemnitz, an einer Bushaltestelle abgelegt hĂ€tte und legte auf.

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 Wir mieteten uns einen LKW und fuhren dort hin. Aber nur die Schuttrohre waren da, auf denen unser Emblem sehr groß drauf war. Die teuren Alu-GerĂŒstteile fehlten komplett. Ich telefonierte wieder mit ihm. Er verweigerte eine RĂŒckgabe. Daraufhin bot ich ihm 20.000.- DM. Damit war er einverstanden. Wir mieteten wieder einen LKW und fuhren nach Gera. Am vereinbarten Treffpunkt war niemand. Wir fuhren zu seinem Elternhaus und ich gab mich als ehemaligen Arbeitskollegen von seinem Sohn aus. Daraufhin erzĂ€hlte mir der Vater, dass sein Sohn am nahe gelegenen See Zelten wĂ€re. Ich telefonierte mit dem Polizeirevier in Gera. Die schickten eine Streife mit zwei Beamten zu uns. Denen zeigte ich die Anzeige wegen des GerĂŒstdiebstahls. Gemeinsam fuhren wir zum nahe gelegenen See und trafen auch den Ex-Vorarbeiter an. An die Herausgabe der GerĂŒstteile dachte er nicht mehr. Er sagte, dass ihm jemand anderes ein besseres Angebot gemacht hĂ€tte. Pech fĂŒr uns. In Anwesenheit der Beamten bedrohte er jetzt meine Freundin. Er sagte, wenn ich nicht aufhören wĂŒrde herumzuschnĂŒffeln, hĂ€tte er ja meine Freundin, die dann dran glauben mĂŒsste. Ohne auf diese Drohung zu reagieren und ohne die Personalien von den Leuten aufzunehmen, wurden wir wieder zu unserem LKW chauffiert. FĂŒr die Beamten war der Fall damit erledigt.

 Wir fuhren mit dem leeren LKW wieder zurĂŒck nach Chemnitz und mieteten uns die GerĂŒstteile, die wir so dringend fĂŒr das nĂ€chste Objekt benötigten. Ich konnte diesem Ex-Vorarbeiter nicht mal böse sein. Wenn alle Straftaten gegen West-BĂŒrger nicht geahndet werden und er fĂŒr alle Straftaten die volle UnterstĂŒtzung der Polizeibeamten hat, wĂ€re er ja blöd, wenn er sich seine GerĂŒstteile kaufen wĂŒrde. In der darauf folgenden Nacht fuhr ich mit dem PKW zur Wohnung seiner Freundin und vergewisserte mich in der angrenzenden Scheune davon, dass die GerĂŒstteile nicht dort waren. Der Ex-Vorarbeiter bemerkte mich und kam aus dem Wohnhaus. Er war weder aggressiv noch frech. Er sagte nur, dass er schon so viel AuftrĂ€ge ausgefĂŒhrt hĂ€tte und noch von keinem Bauherren Geld bekommen hat. So wĂ€re er in große finanzielle Schwierigkeiten geraten. Na ja, was sollte ich da machen. Ein netter, arbeitsamer Mensch, der auch nur seine Chance nutzen wollte und fĂŒr Straftaten gegen WestbĂŒrger die voller UnterstĂŒtzung der Justiz hatte. 

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 Ein paar Tage spĂ€ter ereignete sich ein Vorfall, der charakteristisch fĂŒr diese Zeit war. Im Supermarkt hatte ich eingekauft, stand an der Kasse und gab der VerkĂ€uferin 50.- DM, um die Summe von 30,11.- DM zu bezahlen und sagte: „Moment noch, ich habe die 11 Pfennige klein“. Hinter mir standen 5-6 Personen. Der letzte kommentierte diesen Vorgang mit: „Scheiß Wessi“. Ich schaute ihn kurz an, dann die anderen Leute. Das Gesicht des Mannes, der dies gesagt hatte, war hasserfĂŒllt. Die anderen hatten einen so frohen Gesichtsausdruck und deren Augen funkelten wie die Sterne in einer Sommernacht. Ich gab der VerkĂ€uferin die 11 Pfennige, nahm den 20.- DM Schein, steckte die Geldbörse ein und sagte: „HĂ€ttest du was gscheites glernt, wĂ€rst du auch Wessi geworden“. Dabei grinste ich ihn ĂŒber alle 4 Backen an. Niemand kommentierte dies. Doch die Minen der Leute wandelten sich. Kein Leuchten mehr in den Augen, sondern nur noch purer Hass.

 Diesen Vorfall habe ich deshalb geschildert, weil er typisch fĂŒr die Jahre nach 1993 war. Wenn es um West-BĂŒrger und andere AuslĂ€nder ging, waren sich auf einmal alle einig. Dieser Hass wurde am Anfang nur verbal ausgetragen. In den Folgejahren wurden die BĂŒrger aber immer öfter handgreiflich.

 Asylanten  wurden in Chemnitz auf offener Straße nicht nur zusammengeschlagen, sondern immer öfter auch getötet. Die Presse hielt sich aber sehr mit Veröffentlichungen zurĂŒck. Wahrscheinlich wurden diese Informationen auch gar nicht an die Presse weitergeleitet. Die Schauergeschichten, die ich durch das Abhören des Polizeifunks erfuhr, glaubt mir eh niemand. Ich verglich dies damals mit der Nazi-Zeit und wurde an eine Reportage erinnert,  als SA-Soldaten auf offener Straße eine jĂŒdische Mutter festhielten, das Kind entrissen und mit dem Gewehrkolben totschlugen. Die damals herumstehenden Deutschen klatschen noch dazu. Heute sind es keine Juden, sondern AuslĂ€nder und West-BĂŒrger. Und die Justiz schaut zu, bzw. weg, damit die Leute nicht ĂŒber die Ursachen der Probleme nachdenken, sondern ein Ablassventil haben.

 Am 06.10.2005 habe ich in der Mitteldeutschen Zeitung (mz-web.de) einen Artikel gelesen und ausdrucken lassen, wo in Oschersleben ein 15-jĂ€hriges auslĂ€ndisches MĂ€dchen mitten in der Stadt drei Stunden lang von drei jungen Leuten brutal gequĂ€lt wurde, bis endlich mal ein Passant ihr zu Hilfe eilte und sie entkommen konnte. 1998 meldete sich mein Sohn fĂŒr den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr. Er war ausgebildeter Pfleger. Wir telefonierten fast jede Woche. Er erzĂ€hlte mir die GrĂ€ueltaten aus dem Kosovo, ich ihm die aus Chemnitz, wobei diese in nichts nachstanden.

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 In Chemnitz wurde ganz offiziell Jagd auf AuslĂ€nder gemacht. Die Asylanten trauten sich nicht mehr auf die Straße. Eines Tages las ich einen Artikel in der Freien Presse, dass sich die Leiterin des Asylantenheimes mit ein paar Asylanten in die Innenstadt gewagt hatte. Sie bestĂ€tigte, dass sie laufend verbal beschimpft  wurden, bzw. die BĂŒrger handgreiflich wurden. Die Freie Presse lese ich auch heute tĂ€glich.

 Oder als sich ein Schwarzafrikaner tagsĂŒber in die Innenstadt wagte, der vom Chemnitzer Fußball – Club teuer eingekauft wurde. Ohne Vorwarnung wurde er von einer Horde Jugendlicher an der Zentralhaltestelle mit einem Messer attackiert und verletzt. Er flĂŒchtete durch die ganze Innenstadt zum Polizeirevier. Keinen einzigen Passanten hatte dies gestört, hatten weder geholfen, noch ĂŒber das Handy die Polizei angerufen. Auch hier waren sich wieder alle einig. Diese schwarze Brut hat dort nichts zu suchen. Dies sind die Auswirkungen einer Entwicklung, fĂŒr die ich die DDR-BĂŒrger nicht verantwortlich mache. Hunderttausenden wurde die Existenzgrundlage genommen. Die meisten denken nicht mehr an Konsum, an ein großes Auto oder so, nein, fĂŒr die meisten geht es um das nackte Überleben. Dem Rest geht es super gut. Geklaute Ware kann man ja ohne Risiko bei EBay verkaufen. FĂŒr diese Gruppe spielt Geld keine Rolle mehr und wird mit vollen HĂ€nden ausgegeben.

 In Sachsen ist jeder zweite Arbeitslose Hartz IV EmpfĂ€nger. Deshalb wird in der Regel auch keine Miete mehr bezahlt. Die dafĂŒr vorgesehenen staatlichen Leistungen fließen in den Konsum. Über eine Milliarde Euro MietrĂŒckstĂ€nde belegen diese Aussage. Die Hartz VI EmpfĂ€nger haben deshalb nicht nur die 331.- € zur VerfĂŒgung, sondern auch noch die Leistungen fĂŒr die Miete in Höhe von 237.- €, insgesamt also 568.- € zum Leben. Im Westen muss ein Hartz VI EmpfĂ€nger mit 345.- € auskommen.

 Auch hat niemand ein schlechtes Gewissen dabei, wenn er Hartz  IV bekommt, keine Miete bezahlt und nebenher noch „pfuschen“ geht, wie Schwarzarbeit in Sachsen genannt wird. Die meisten haben mitbekommen, wie ihre Firmen von „Investoren“ zu einem Spottpreis aufgekauft und mit zig Millionen Fördermitteln beglĂŒckt wurden, um ein paar Monate spĂ€ter Insolvenz anzumelden. Dass fast nie eine Mark Fördermittel in die Firmen floss, sondern immer nur auf Privatkonten, stört die StaatsanwĂ€lte nicht.

 Es kann deshalb niemand behaupten, dass 100 Milliarden jedes Jahr in den Aufbau-OST fließen. Ein Großteil dieser Gelder landet auf Privatkonten von „cleveren“ AnwĂ€lten, bzw. derer Klienten und auf Schwarzgeld-Konten der Parteien. Wie soll man sich sonst erklĂ€ren, dass die OberstaatsanwĂ€lte ruhig gestellt werden, obwohl Subventionsbetrug in gigantischem Ausmaß an der Tagesordnung ist. Ein Bundestagsabgeordneter meinte mal, dass es ĂŒber ein Jahrzehnt dauern wĂŒrde, um die Verbrechen der Beamten in den Neuen LĂ€ndern aufzuarbeiten. Doch bei dieser Feststellung ist es geblieben.

 Unser Chemnitzer StadtkĂ€mmerer z.B. hat 21 Millionen € Fördermittel mit gefĂ€lschten Unterlagen auf sein privates Konto abgezweigt, um es in Liechtenstein unendlich zu vermehren. Doch daraus wurde ein Totalverlust, auf Kosten der ehrlichen Steuerzahler. Die Chemnitzer Staatsanwaltschaft hatte nach 2 Tagen die Ermittlungen eingestellt. Es hĂ€tte alles seine Richtigkeit !!

 Oder als er die grĂ¶ĂŸte Chemnitzer Baufirma, die fĂŒr ihre GeschĂ€ftspolitik einen Preis erhielt, in den Konkurs trieb, weil er AuftrĂ€ge fĂŒr mehrere Millionen Euro vergab, ohne jemals einen einzigen Cent zu bezahlen. Im Haushalt wurden diese Ausgaben erst gar nicht berĂŒcksichtigt, da man nie die Absicht hatte, die Schulden zu bezahlen. Wahrscheinlich haben die auch kein Schutzgeld/Schmiergeld bezahlt.

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 Oder als ein BĂŒrgermeister bei Zschopau 5 Millionen DM veruntreute. ZusĂ€tzlich zahlte die Gemeinde ĂŒber Jahre hinweg die Zinsen fĂŒr einen 6-Geschosser Plattenbau und er kassierte die Mieteinnahmen. Mit gefĂ€lschten BautenstandsbestĂ€tigungen wurde der Gesamtkredit in Höhe von 7,5 Mio. DM abgerufen, aber lediglich 2,5 Mio. DM investiert. Alles legal. Als ich in der Freien Presse den Artikel las, dass die Ermittlungen eingestellt wurden, weil der Fall nicht aufgeklĂ€rt werden konnte, informierte ich die Staatsanwaltschaft Chemnitz und den Landrat in Marienberg davon, dass ich alle Unterlagen zur AufklĂ€rung des Falles in meinem Schreibtisch habe, da ich die Finanzierung abgewickelt hatte. Ich bekam nicht mal eine Antwort. Erst spĂ€ter erfuhr ich, weshalb kein Interesse an einer AufklĂ€rung bestand. Die Bauarbeiten wurden von der Firma ausgefĂŒhrt, die der Frau des Landrats gehörte. Diese stellten auch die gefĂ€lschten BautenstandsbestĂ€tigungen fĂŒr die Auszahlung der Darlehen aus.

 Als die Rechtsaufsichtsbehörde wieder mal einen Fall von Betrug aufdeckte, da mehrere Mitarbeiter der Wohngeldstelle in Chemnitz fiktive AntrĂ€ge bearbeiteten und das Wohngeld auf das eigene Konto auszahlten, wurde auch dieser Fall eingestellt. Diese Staatsdiener hatten nichts zu befĂŒrchten.

 Von Versicherungsdetektiven wurde eine Bande im Vogtland ĂŒberfĂŒhrt, die mit fingierten UnfĂ€llen ĂŒber mehrere Jahre hinweg einen Schaden von 100 Millionen Euro angerichtet hatte. Und da soll mir mal jemand erzĂ€hlen, dass Versicherungsbetrug in diesem Ausmaß nicht ohne die UnterstĂŒtzung der Justiz möglich ist.

 Ein Kilometer Bundesautobahn kostet in den neuen BundeslĂ€ndern doppelt so viel wie im Westen. BegrĂŒndet wird dies mit erhöhten LĂ€rmschutzmaßnahmen. Und zusĂ€tzlich werden noch ArbeitsplĂ€tze vernichtet, da die wenigsten SUB-Unternehmer Geld erhalten, weil das Geld schon lĂ€ngst auf Privatkonten versickert ist.. Die Arbeiter erhalten Konkursausfallsgeld vom Arbeitsamt. Hier geht es auch um Milliarden. Klar, dass dies eine geniale Möglichkeit ist, Geld auf Schwarzgeldkonten der Parteien verschwinden zu lassen.

 Wie schon Herr BlĂŒm sagte: Meine Rente ist sicher....

 Als 1991 eifrige und korrekte StaatsanwĂ€lte die ersten Treuhand-BetrugsfĂ€lle bearbeiten wollten, wurden sie alle vom Staatsministerium zurĂŒckgepfiffen. Also doch kein Einzelfall, sondern staatlich organisiert? Und da kommt ein kleiner Bauer, der es wagt, ĂŒber solche KorruptionsfĂ€lle das Bundeskriminalamt zu informieren. Ich musste es bitter bĂŒĂŸen, obwohl dem BKA bereits alles bekannt war und solche „kleine“ FĂ€lle wegen Personalmangel nicht bearbeitet wurden. Zwischenzeitlich hat man noch weitere Einnahmequellen, zu Lasten des Pöbels entdeckt.

 Politiker stehen bei Strom- und Wasserversorgern, also i.d.R. öffentlichen TrĂ€gern, auf der Gehaltsliste, obwohl sie fĂŒr die Firmen noch nie tĂ€tig waren, zumindest nicht so, wie es sich der ehrliche Steuerzahler vorstellt. Die VerbraucherverbĂ€nde laufen sich die Hacken ab, dass diese Firmen die Bilanzen offen legen sollen. Andere zapfen die OST-Milliarden damit an, dass sie sehr hoch dotierte BeratervertrĂ€ge mit Freunden und Bekannten abschließen. Eine Gegenleistung wird nicht erbracht. Die Rechtsaufsichtsbehörde hat es in solchen FĂ€llen nicht leicht, Betrug nachzuweisen. Auch eine geniale und risikofreie Möglichkeit, sich auf Kosten der West-BĂŒrger zu bereichern.

 Ach ja, fast hĂ€tte ich es vergessen. Als mal wieder zufĂ€llig so ein Schwarzgeld-Konto Skandal an die Öffentlichkeit gelangte, hatte damals die Regierung rĂŒckwirkend das Gesetz geĂ€ndert, damit Lambsdorff strafrechtlich nicht belangt werden konnte. Also doch nicht alle gleich vor dem Gesetz ? Also doch staatlich organisierte Korruption und Betrug ? Und Helmut hatte ja erfolgreich verhindert, dass seine Stasi-Akten der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht werden. Und dafĂŒr musste nicht mal rĂŒckwirkend ein Gesetzt geĂ€ndert werden. Alle Achtung. Warum werden von einer kleinen Bevölkerungsgruppe solch gigantische finanzielle Reserven auf Kosten der ehrlichen BĂŒrger angelegt ? Ganz legal, versteht sich.

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 Eine logische Antwort wĂ€re, dass sich die Bezieher von Beamtenpensionen in den nĂ€chsten 15 Jahren verdoppeln werden. Wenn schon die heutigen Pensionen und Renten bereits mit 80 Milliarden € bezuschusst werden, sorry, durch Umschichtung im Haushalt wird dies anders dargestellt, und die LĂŒcke gigantische Ausmaße annimmt, dann muss man halt „vorsorgen“.. Ein Teil der 100 Milliarden Aufbau-OST kommen da gerade recht. Von niemand durchschaubar, kann man unbegrenzt abzweigen. Wird ja staatlich verwaltet. Und die SubventionsbetrĂŒger, die hunderttausend Familien ruiniert haben, genießen Straffreiheit, vorausgesetzt, und dies ist meine Theorie, dass ein Teil dieser Betrugs-Gelder auf den Schwarzgeld-Konten der großen Parteien landen.

 Politiker sind also nicht dumm, ganz im Gegenteil. Sie wissen genau, wann der Luftballon platzt, der jetzt schon 1 m Durchmesser hat. Man muss nur rechtzeitig „vorsorgen“. Dann kann man sich auch noch Kaviar leisten, wenn das Volk schon lĂ€ngst am Hungertuch nagt. FĂŒr eine immer grĂ¶ĂŸere Bevölkerungsgruppe reichen doch 345.- € im Monat, oder nicht?  Die staatlich verordnete Freizeit kann man ja mit fernsehen, oder Video-Spielen verbringen. Dieses Prinzip machten sich bereits die Römer zunutze.

 Nur so wĂ€re auch zu erklĂ€ren, dass dieser gigantische Subventionsbetrug in Ost-Deutschland, bis auf wenige Ausnahmen, strafrechtlich nicht verfolgt wird. Mir wurde nur ein Fall bekannt, der an die Öffentlichkeit kam. Als Helmut die ostdeutschen AutobahnraststĂ€tten an eine französische Firma verscherbelte, weil diese mehrere Millionen Schmiergelder auf schwarze Konten der CDU einzahlte. Doch zwischenzeitlich sind es weitere FĂ€lle, die an die Öffentlichkeit gelangen. Was soll man davon halten, wenn ein WaffenhĂ€ndler fĂŒr ein PanzergeschĂ€ft mit Saudi-Arabien 220 Millionen € Provision bekommt, obwohl diese GeschĂ€fte direkt abgewickelt werden können ?

 Die Aufdeckung dieser gigantischen Straftaten zu Lasten der ehrlichen Steuerzahler haben wir den Reportern verschiedener Zeitungen zu verdanken, nicht den StaatsanwĂ€lten, die ruhig gestellt werden und wahrscheinlich deshalb Narrenfreiheit genießen.

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Doch nun wieder zurĂŒck nach Chemnitz.

 Bis zum Jahre 2000, als ich noch regelmĂ€ĂŸig den Polizeifunk abhören konnte, weil er noch nicht digitalisiert war, wurde in Chemnitz jede Woche ein AuslĂ€nder abgemurkst. In der Presse wurde und wird nur ganz, ganz selten darĂŒber berichtet. Solche Informationen hĂ€lt man von der Presse fern, damit die BĂŒrger im Westen davon nichts mitbekommen. WĂŒrden die BĂŒrger in Westdeutschland mitbekommen, was da im Osten los ist, wie die Leute dort ihren Frust ablassen, dann wĂ€re bestimmt niemand mehr dazu bereit, noch 1 Cent Soli-Zuschlag zu leisten. Also wird alles unter den Teppich gekehrt, bis der große Knall da ist. Nur solche FĂ€lle werden bekannt, wie z.B. in Sebnitz, wo sich die geschĂ€digten Personen direkt an die Presse oder das Fernsehen wenden.

 Dazu wieder ein Fall aus der Praxis. Ich musste mich mal wieder vor Gericht wegen Körperverletzung verantworten. Der Anzeigeerstatter schilderte den Vorfall, ohne zu lĂŒgen. Er sagte, dass er mich heimtĂŒckisch auflauerte, als ich mit dem Fahrrad an ihm vorbeifuhr und dann eine Leine, an der ein großes StĂŒck Metall befestigt war, auf meinen Kopf schleuderte. Er erzĂ€hlte weiter, dass ich vom Fahrrad abstieg und auf ihn zuging. Er holte wieder aus, um mir den nĂ€chsten Schlag zu versetzten und  mich endlich abmurksen wollte. Doch bevor er nochmals das Metallteil auf meinen Kopf schleudern konnte, trat ich ihm mit dem Fuß in den Bauch. Mit einer großen Platzwunde am Kopf bin ich davon gekommen. Vor Gericht schilderte er diesen Sachverhalt sichtlich vergnĂŒgt. Die Richterin lies sich sogar von dem Lachen des Anzeigeerstatters anstecken. Mein Anwalt erreichte Freispruch wegen Notwehr.

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 Ich mache dieser Person, die mich heimtĂŒckisch auflauerte und abmurksen wollte, nicht den geringsten Vorwurf. Allerdings der Richterin. Der Angreifer wurde weder gerĂŒgt, noch strafrechtlich fĂŒr den Mordversuch belangt. Und durch das Verhalten der Richterin wurde der Angreifer ja geradezu zum nĂ€chsten Mordversuch animiert. Vielleicht war dies auch Sinn und Zweck der Sache, da ich der korrupten Chemnitzer Justiz schon lange unangenehm wurde. Deshalb brachte ich meine Meinung schriftlich gegenĂŒber dem Gericht zum Ausdruck, dass die Richterin fĂŒr mich menschlicher Abschaum ist und begrĂŒndete dies ausfĂŒhrlich. Na ja, fĂŒr diese korrekte Meinung erhielt ich zwei Monate BewĂ€hrung. Und dies nur, weil ich mich schriftlich entschuldigt hatte. War ein Schachzug, da ich kurz vorher einen Schlaganfall erlitten hatte und die korrupten Chemnitzer StaatsanwĂ€lte mich sogar fĂŒr drei Jahre im GefĂ€ngnis sehen wollten. In diesem Zustand hĂ€tte ich dies mit Sicherheit nicht ĂŒberlebt.

 Aber ich habe die 13 Jahre DDR ĂŒberlebt. Andere hatten weniger GlĂŒck.

 In einer Dessauer Polizeizelle wurde der Asylbewerber Oury Jalloh, den man an gestreckten Armen und Beinen auf einer nicht entflammbaren Matratze, in einer gefliesten Zelle, gefesselt hatte, wahrscheinlich von Polizisten bis zur Unkenntlichkeit abgefackelt. Bei der Obduktion wurden massive SchĂ€delverletzungen festgestellt. Eine Polizistin, die sich ehrlich zum Sachverhalt Ă€ußerte, hatte kein schönes Leben mehr unter ihren Kollegen. Sie wurde nur noch gemobbt. So entschloss sie sich dazu, ihre Aussage zu widerrufen und sich der ihrer Kollegen anzuschließen, dass sich der Asylbewerber selbst abgefackelt hĂ€tte. 

 Der WDR veröffentlichte am 04.01.2006 um 22.45Uhr eine Reportage darĂŒber. Der Titel der Sendung hieß: Tod in der Zelle, warum starb Oury Jalloh. Bei einer vorangegangenen Untersuchung sei ein Feuerzeug ĂŒbersehen worden, mit dem der gefesselte Asylant seine nicht entflammbare Matratze entzĂŒndet hĂ€tte. MĂ€rchenstunde fĂŒr alle, die ĂŒber den AuslĂ€nderhass in der DDR nichts wissen.

 Dies war ein willkommener Anlass fĂŒr den Staatsanwalt, gegen die Polizistin wegen Falschaussage zu ermitteln, damit alles seine Ordnung hat. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Wenn Polizisten ihren GefĂŒhlen freien Lauf lassen, also Morde begehen, Banken ausrauben usw., und dafĂŒr kein SĂŒndenbock zur VerfĂŒgung steht, ist das noch lange keine Straftat fĂŒr den Staatsanwalt. Das „e-renwerte“ Gericht hat bisher einen Prozess abgelehnt.

 Oder als im Sebnitzer Freibad ein kleines AuslĂ€nderkind von einer Horde Glatzen ertrĂ€nkt werden sollte. Der kleine Joseph, der nicht schwimmen konnte, hatte solche panische Angst, dass er an Herzversagen starb. Niemand hat geholfen, niemand hat gegen die Glatzen ausgesagt. Also war es ein Unfall, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Der Hass macht sogar vor Kindern nicht halt. Die irakische Apothekerfamilie wurde dann aus Sebnitz hinausgeekelt.

 Nicht ohne Grund zögern auslĂ€ndische Investoren mit neuen Investitionen. Das Klima ist zu auslĂ€nderfeindlich. Ausnahmen gibt es nur dort, wo Investoren wie AMD ĂŒber 500 Millionen Euro bekommen, um 200 ArbeitsplĂ€tze zu schaffen.

 Nicht umsonst warnen internationale ReisefĂŒhrer vor einem Besuch in Ostdeutschland. Im Oktober 2000 berichtete die Freie Presse darĂŒber.

 Ich bin der Meinung, dass dieses Klima bewusst toleriert wird. Der Pöbel soll sein Ablassventil haben und nicht ĂŒber die Ursachen nachdenken. Man braucht deshalb die AuslĂ€nder, die sich zusammenschlagen oder abmurksen lassen (mĂŒssen). Und jeder der sich wehrt, sitzt ruck zuck im Knast wegen Körperverletzung. Im Chemnitzer Knast gab es einige auslĂ€ndische Leidensgenossen, die das selbe Schicksal hatten wie ich. Ein Drittel der Patienten im Chemnitzer Krankenhaus sind AuslĂ€nder, die Attacken ĂŒberlebt haben.

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 Meine Schreiben Anfang 2004 an Herrn Innenminister Schily, in denen ich um Amnestie bat, weil auch ich zu fĂŒnf Monate GefĂ€ngnis wegen Körperverletzung verurteilt wurde, sind an das zustĂ€ndige  SĂ€chsische Staatsministerium der Justiz (SMJ) weitergeleitet worden. Das SMJ wollte aber keine Entscheidung ohne die Stellungnahme der Chemnitzer Staatsanwaltschaft fĂ€llen. Diese lies monatelang auf sich warten und war dann natĂŒrlich negativ. Bei einer positiven Entscheidung hĂ€tte man ja den Sumpf der Korruption öffentlich machen mĂŒssen. So geht das nicht. Die Öffentlichkeit darf davon nichts erfahren. Man geht lieber ĂŒber Leichen. Ein Toter mehr oder weniger spielt da kein Rolle. Und wenn es nicht anders geht, wird halt nachgeholfen. Mit rechtstaatlichen Mitteln, ganz legal.... es glaubt eh niemand, was da passiert.

 VerstĂ€ndlich, dass man Fischer wie einen kleinen Schuljungen wieder nach Hause geschickt hatte, als er die dauernde Mitgliedschaft im Weltsicherheitsrat forderte. Auch die großzĂŒgigen Finanzspenden an korrupte afrikanische StaatsoberhĂ€upter konnten nicht dazu beitragen, Fischers Antrag durchzusetzen. Und dies, obwohl er sich unter Gleichgesinnten befand. Allein mit diesen Schmiergeldern hĂ€tte man das Arbeitslosengeld problemlos erhöhen können.

 Filz, der Stoff, der die Demokratie verhöhnt, in Russland an der Tagesordnung, ist schon seit Jahren auch in Deutschland gesellschaftsfĂ€hig geworden. Der Wohlstand, den die Nachkriegsgeneration mit viel Schweiß aufgebaut hatte und Deutschland auf dem ganzen Globus Achtung verschaffte, wird seit ein paar Jahren wieder zunichte gemacht. Ich erkenne einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Korruption und der Anzahl der Insolvenzen und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit.

 Russland ist ein Paradebeispiel dafĂŒr. Das reichste Land der Welt, mit gigantischen BodenschĂ€tzen und landwirtschaftlichen NutzflĂ€chen, in der Hand ganz weniger „AuserwĂ€hlter“, in dem der Pöbel im Winter erfriert, weil die Heizung und der Strom abgestellt wird, oder verhungert. Und so lange das Volk genug Wodka hat, wird schon alles gut gehen.. Chodorkowskis AnwĂ€lte appellierten an den Westen, dem Schauprozess ein Ende zu bereiten. Er hatte die Opposition finanziell unterstĂŒtzt, was als Steuerhinterziehung und Betrug ausgelegt wurde. Wie so etwas lĂ€uft, habe ich selbst mitgemacht. Da werden Gerichtsakten gefĂ€lscht und Entlastungsmaterial verschwinden lassen. In Germany, nicht in Russland. Der Volksmund sagt da, eine KrĂ€he hackt der anderen kein Auge aus. Was also in Russland funktioniert, ist auch fĂŒr Deutschland gut. Ein Weg zur VölkerverstĂ€ndigung.

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 Nachdem wir Ende 1995 alle Firmen aufgelöst hatten, suchte ich ein geeignetes Land um auszuwandern, so wie es bereits viele hundert tausend Gutverdiener in den letzten Jahren praktizierten. Von Deutschland hatte ich endgĂŒltig die Schnauze voll. Spanien hatte es mir angetan. Zum damaligen Zeitpunkt verlagerten zig tausend Deutsche aus nachvollziehbaren GrĂŒnden ihren Erst- oder Zweiwohnsitz nach Spanien und kurbelten dort mit ihren Renten und Ersparnissen die Wirtschaft an. Kaufkraft, die in Deutschland fehlt. Mit Gebraucht-Immobilien, die ich kaufen und sanieren wollte, mĂŒsste man doch GeschĂ€fte machen können, dachte ich. Eine Marktanalyse bestĂ€tigte meine Ideen.

 Doch im Jahre 2004, als ich die Idee umsetzen wollte, war die Stimmung schon wieder ganz anders. Zu Tausenden verließen die Deutschen die Costa-Blanca. An jedem zweiten Haus hingen Verkaufsschilder „Se Vende“. Allerdings hatte ich niemand getroffen, der die Absicht hatte, wieder nach Deutschland zurĂŒckzukehren, höchstens zu Weihnachten und Ostern. Als Ziel nannten alle Portugal, Österreich und die Schweiz. Die Marktlage war mir zu unsicher geworden.

 1997 verschaffte ich mir ein halbes Jahr lang einen Eindruck von den USA und Kanada. Nach den Weltkriegen sind die Deutschen vorwiegend in die USA und nach Kanada ausgewandert. Also wollte ich mir dies mal genauer anschauen und verschiffte mein Wohnmobil in die USA. Zwei Wochen spĂ€ter flog ich hinterher und holte das Fahrzeug am Port in Jacksonville, Florida, ab. Das Motorrad war noch auf dem HecktrĂ€ger, aber im Fahrzeug war alles leergerĂ€umt, sogar das Toilettenpapier wurde gestohlen. Auf der Zollbehörde traf ich mehrere Wohnmobiltouristen, die hatten alle die gleichen Probleme. Nach meiner RĂŒckkehr erstatte ich Anzeige. Ermittelt wurde nicht, weil dies laufend passieren wĂŒrde, argumentierte der zustĂ€ndige Beamte in Bremerhaven..

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 Wenn ĂŒber den großen Teich auswandern, dann kĂ€men nur die Gegenden um Vancouver in British Kolumbien, oder San Franzisco in Kalifornien in Betracht. Vorerst hatte ich aber dieses Auswanderungsziel auf Eis gelegt, außer es wĂ€ren einige aus meinem Bekanntenkreis mitgegangen. Also doch in Europa bleiben. Auch in Österreich hatte ich schon mehrmals Urlaub gemacht und dieses Land hatte von Anfang an einen positiven Eindruck hinterlassen. Den Winter 2003 auf 2004 hatte ich in Spanien, bei Alicante, an der Costa Blanca verbracht. Das Klima faszinierte mich. Entsprechend den Ärzte-Zeitschriften soll die Ecke um Alicante das beste Klima in ganz Europa haben. Ich kann dies nur bestĂ€tigen. Aber ich wollte auch beruflich weitermachen. Spanien hatte ich bereits abgehakt. Auch fĂŒr meine Internetfirma fand ich kein deutschsprachiges Personal.

 Am 21.MĂ€rz 2004 fuhr ich mit kurzen Unterbrechungen entlang  der Mittelmeer-KĂŒste ĂŒber Mailand an den Gardasee und weiter nach Österreich, nach Linz. In Linz bekam ich auch gleich eine schöne Wohnung, direkt an der Donau und verbrachte dort vier Monate. Nach den Erfahrungen in Ostdeutschland kam es mir vor, als wĂ€re ich im Paradies. Nur nette Leute, Jugendliche grĂŒĂŸten, keine verbalen Beschimpfungen und keine SchlĂ€gereien. Keine Schmierereien an den HauswĂ€nden, kein Dreck auf den Straßen. Auch im Straßenverkehr hielten sich die Leute an die Regeln. Ich hatte mich auf Anhieb Wohl gefĂŒhlt und wollte mich fĂŒr immer dort niederlassen. Ein internationaler Haftbefehl aus Chemnitz und ein schwerer Schlaganfall durchkreuzten meine PlĂ€ne. Doch nun erst mal zurĂŒck ins Jahr 1996 nach Chemnitz.

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 Die Sanierung des Chemnitzer 10-Familen Wohnhauses war abgeschlossen, sowie ein zweigeschossiger Neubau auf dem selben GrundstĂŒck, direkt am Fluss Chemnitz gelegen. Alle Wohnungen waren auf Anhieb vermietet worden, ein paar Wohnungen hatte ich an Selbstnutzer verkauft, die auch dort eingezogen sind. Eine Wohnung bezog ich selbst. In der Nachbarschaft wurde ein Jugendzentrum eingerichtet, das abwechselnd von den Chaoten der Linken und Rechten Szene genutzt wurde. Mit entsprechenden Auswirkungen auf das Wohnumfeld. HĂ€user wurden beschmiert, Fensterscheiben eingeworfen. Nach jeder Party sah es aus, als wĂ€re ein Bombenangriff erfolgt.

 Die Straße an der Vorderseite unseres GrundstĂŒcks wurde von Grund auf saniert und die Bushaltestelle direkt an unser GrundstĂŒck verlegt. Noch wĂ€hrend der Bauarbeiten nahm ich mit den Behörden und der CVAG wegen der Verlegung der Haltestelle an unser GrundstĂŒck Kontakt auf. Es wurden mehrere Ortsbesichtigungen durchgefĂŒhrt, ohne eine Änderung zu erwirken. Wir hatten weit und breit das schönste Haus und davon sollten die FahrgĂ€ste auch partizipieren. Und wie die FahrgĂ€ste, die Chaoten aus dem Jugendzentrum davon partizipierten, erlebten wir jetzt 2 – 3 mal in der Woche. Von der schönen Zysternenhecke an der Haltestelle war bald nichts mehr ĂŒbrig. Bierflaschen flogen gegen die Fensterscheiben. Die Mieter schliefen aus Angst oft auf der rĂŒckwĂ€rtigen Seite des Hauses. Das Haus wurde beschmiert, und ein Holzzaun zerstört. Den hinteren Teil der noch vorhandenen Zysternenhecke nutzten die FahrgĂ€ste, um zu urinieren und ihren  Kot dort abzusetzen.

 Die 1990 erworbene Freiheit verstanden die Jungs falsch. RĂŒcksicht und Verantwortung war ein Fremdwort. Jeder Hund ist besser erzogen, als diese Vandalen. Mit vernĂŒnftigem Reden und Bitten, diese  SachbeschĂ€digungen zu unterlassen, erreichte ich ĂŒberhaupt nichts. Das Vokabular dieser Leute war sehr eingeschrĂ€nkt. Artikuliert wurde grundsĂ€tzlich mit „Scheiß Wessi, mach dass du hier verschwindest, oder wir polieren dir die Schnauze“. Dies waren noch die harmlosen SprĂŒche. Anzeigen gegen die Vandalen wegen SachbeschĂ€digung wurden grundsĂ€tzlich wegen mangelndem öffentlichem Interesse eingestellt. Dieser Zustand dauerte mehrere Jahre an. Ich wurde von der Justiz dazu gezwungen, zuzuschauen, wie diese Vandalen unser Haus und GrundstĂŒck mehr und mehr verwĂŒsteten. Jahrelang hatte ich hart gearbeitet und mein ganzes Geld in diese Immobilie investiert. So kam es wie es kommen musste.

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 Wenn ich abends mit meinem kleinen SchĂ€ferhund, den ich von einer Nachbarin geschenkt bekommen hatte, um ihn vor dem Tierheim zu bewahren, die Straße entlang ging, kam es regelmĂ€ĂŸig zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Auf verbale Attacken reagierte ich schon lange nicht mehr. Die Chaoten legten mir dieses Verhalten aber als SchwĂ€che aus. Auch wenn der eine oder andere versuchte, mich an meiner Jacke zu fassen, ging ich unbeirrt weiter. Dieses defensive Verhalten provozierte diese Chaoten aber noch mehr und in der Gruppe von meistens 5 – 10 Personen war jeder doppelt so stark. Doch so bald der erste nach mir schlug, gab es immer ordentlich Haue. Einige rannten sogar trotz stark frequentierter Straße auf die andere Straßenseite, um zu flĂŒchten. Die meisten Bremsspuren auf der Strasse vor dem Jugendzentrum sind wahrscheinlich auf diese Auseinandersetzungen zurĂŒckzufĂŒhren.

 So ging dies ein paar Monate lang. Die Nachbarn trauten sich schon lange nicht mehr auf die Straße, wenn im Jugendzentrum was los war. Und wenn mal einer bei der Polizei angerufen hatte, weil wieder Fensterscheiben eingeworfen wurden,  hĂ€tte er sich den Anruf sparen können. Es kam niemand. Das erste mal wurde ich ernsthaft verletzt, als ich so gegen Mitternacht zur ca. 1 km entfernten Tankstelle spazierte, um mir dort Zigaretten zu holen. Vor der Tankstelle kamen drei Chaoten von hinten und ca. 20 von vorne, alle in KampanzĂŒgen. Ich kannte niemand von denen. Von hinten schlug mir jemand eine halbvolle Bierflasche auf den Kopf und kurz darauf fiel die Meute, die von vorne kam, ĂŒber mich her. Ich bekam mehrere FaustschlĂ€ge ins Gesicht, meine Brille flog auf den Boden. Von hinten bekam ich mehrere Tritte aus Nazi-Stiefeln ab. Durch eine kleine LĂŒcke auf der Seite rannte ich aus der Gruppe heraus und zur Tankstelle hoch, wo gerade zwei „Polizeibeamte“ ihr Dienst-Auto betankten und diesen Vorfall beobachteten. Sie drehten sich jetzt um, als ob sie nichts gesehen hĂ€tten. Typisch fĂŒr Leute in grĂŒner Uniform, dachte ich mir. Mir gingen wieder die vielen Massaker an AuslĂ€ndern durch den Kopf, die solche Auseinandersetzungen nicht ĂŒberlebt hatten, denen man „GrĂŒĂŸe aus Solingen“ in die Rippen steckte, meistens von hinten. Auch dort waren hin und wieder mal „Polizisten“ anwesend, die seelenruhig zuschauten.

 Ich hielt es fĂŒr klĂŒger, nur meine Zigaretten zu holen und die „Polizisten“ nicht mit der unterlassenen Hilfeleistung zu konfrontieren. Hatte ja schon genug Ärger mit denen. Zum anderen hĂ€tten die bestimmt abgestritten, etwas gesehen zu haben. War ja bisher auch nicht anders. Doch ich machte mir zunehmend Sorgen. Wenn die „Uniformierten“ tatenlos zuschauen, wenn AuslĂ€nder und West-BĂŒrger zusammengeschlagen und hin und wieder auch abgestochen wurden, dann herrscht Anarchie. Jeder ist auf sich allein gestellt. Aber die „OrdnungshĂŒter“ dĂŒrfen ja Ihre Gesinnung nicht ausleben und mithelfen, AuslĂ€nder abzumurksen. Oder doch ? Einige dĂŒrfen das, ganz legal. In Dessau zum Beispiel.

 Auch der nĂ€chste Vorfall ein paar Tage spĂ€ter beunruhigte mich sehr. Ich ging mit meinem damals 1 Jahr alten SchĂ€ferhund, ohne Leine, auf dem Gehsteig, entlang der Chemnitztalstraße. Ein Polizeifahrzeug hielt mit quietschenden Reifen an. Der Beifahrer meinte, wenn ich meinen Köder nicht anleine, wird er ihn erschießen. Die Verwaltungsvorschriften der Stadt, wo genau festgelegt ist, wo ein Hund angeleint werden musste, hatte ich immer dabei und wollte sie gerade dem Beamten aushĂ€ndigen mit dem Kommentar, dass hier der Hund ohne Leine gefĂŒhrt werden darf. Er meinte daraufhin, dass er sich von einem Wessi nichts sagen lĂ€sst und der Fahrer gab wieder Gas.

 Meine Überlebenschancen waren in dieser Gegend sehr gering. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich die nĂ€chste Attacke ĂŒberleben werde. Die Chaoten hatten doch von der Polizei nichts zu befĂŒrchten. Meiner Meinung nach hĂ€tten die gerne selbst mal reingeschlagen oder von hinten mal rein geballert. Beim Ordnungsamt beantragte ich wegen dieser VorfĂ€lle einen Waffenschein. Der wurde mir natĂŒrlich nicht genehmigt, weil ich zu meiner Sicherheit ja eine Firma beauftragen könnte, die mich beschĂŒtzt. Zum anderen hatte ich ja schon einige Vorstrafen wegen Körperverletzung, weil ich die Frechheit besaß, mich zu wehren. Ich entschied mich fĂŒr eine andere Lösung. Eine Kanone mit zwei gefĂŒllten Ersatzmagazinen  fĂŒhrte ich ab jetzt immer mit mir, zum Selbstschutz, ohne Waffenschein. Dass diese Vorsichtsmaßnahme nicht mal eine Woche spĂ€ter mein Leben retten wĂŒrde, hatte ich nicht angenommen.

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 Ein halbes Dutzend Glatzen bettelte wieder um SchlĂ€ge. GutmĂŒtig wie ich bin, kam ich dieser Bitte nach. Ich ging sogar auf der gegenĂŒberliegenden Straßenseite spazieren, um diese Chaoten nicht mehr zu provozieren, aber auch das half nichts. Einer der Glatzen rief mir zu: „He Alter, komm her, dann kriegst du wieder eine auf die Schnauze“. Ich schaute hinĂŒber und erkannte ihn wieder. Er hatte mir vor einer Woche an der Tankstelle die Bierflasche von hinten auf den Kopf geschlagen. Ich antwortete: „Ihr kleine Scheißer habt doch den gleichen Weg“. Er hatte recht, ich sehe wirklich alt aus. Innerhalb von 5 Jahren hatten sich meine Haare von hellbraun auf schneeweiß verfĂ€rbt.

 Diese Stiefellecker rannten nun ĂŒber die Straße auf mich zu. Nun sprang auch ich auf die Gruppe zu und versetzte dem AnfĂŒhrer mit der großen Klappe einen Fußtritt ins Gesicht. Er stĂŒrzte rĂŒckwĂ€rts auf die Strasse. Zwei oder drei andere spĂŒrten meinen Shotokan-Dampfhammer im Gesicht. Na und die anderen? Ach so, die rannten schon wieder zurĂŒck. Mein SchĂ€ferhund saß da, stellte die Ohren und schaute mich bewundernd an. Ich putzte mir den Dreck von der Jacke und wir gingen weiter.

 Am nĂ€chsten Abend, so gegen 20Uhr kam ich wieder vom Spaziergang zurĂŒck. Ca.10 Personen, alles Glatzen, standen an der Bushaltestelle vor dem Haus. Ich ging in die Hofeinfahrt. Dort standen auch noch mal ein Dutzend Stiefellecker. Die Typen von der Bushaltestelle kamen nun von hinten auf mich zu, ich war eingekreist. Von vorne lenkte mich der Typ, der einen Tag vorher Haue bekommen hatte, mit Nun-Chakkus ab. In diesem Augenblick schlug mir jemand eine Eisenstange ins Kreuz. Dabei brachen zwei Rippen. Durch den Schlag ging ich zu Boden. Die Glatzen spielten nun mit meinem Kopf  Fußball. Der rote Saft lief mir ĂŒber das Gesicht. Der Typ mit der Eisenstange schob dann die anderen beiseite, um mir die Eisenstange auf den Kopf schlagen zu können. In diesem Augenblick kam ich an meine Waffe, die bereits durchgeladen und entsichert war und hielt die Kanone in seine Richtung. Er begriff, dass ich es ernst meinte, weil ich schwer verletzt war, vor lauter Blut fast nichts mehr sehen konnte und Todesangst hatte. So schnell wie die Scheißer gekommen waren, so schnell waren sie nun auch wieder verschwunden. Seitdem hatte ich mit den Glatzen keine Probleme mehr.

 Weil ich nicht wusste, ob auch da wieder ein Polizisten-Söhnchen dabei war und ich beim nĂ€chsten Spaziergang kontrolliert werde, habe ich mir am nĂ€chsten Tag eine Gaspistole gekauft, die Ă€ußerlich mit der echten Kanone identisch war. Nun fĂŒhrte ich immer zwei Kanonen mit mir, wenn ich das GrundstĂŒck verlies. Es war wunderbar. Ich musste mich nicht mehr wie ein kleiner Schuljunge prĂŒgeln. Bei den nĂ€chsten zwei Auseinandersetzungen, bei denen man mich „alle“ machen wollte, bzw. bei der zweiten, als mir ein total besoffener Typ, der von unten bis oben tĂ€towiert war, die Schnauze einschlagen wollte, holte ich meine Gaspistole hervor und zielte auf die Beine. Und schon waren die Auseinandersetzungen beendet. Dachte ich. Der Knasti mit den TĂ€towierungen, ein Arnold Schwarzenegger Verschnitt, zeigte mich an. Er rief ĂŒber Handy die Polizei an, weil ich ihm den Spaß verdorben hatte. Und weil es leider nur wenige BĂŒrger gibt, die sich zur Wehr setzen, wenn sie abgemurkst werden sollen, war ich natĂŒrlich schnell ermittelt.

 Eine halbe Stunde spĂ€ter war wieder unser Haus in Sichtweite. Vor dem Haus stand auf dem Gehsteig verkehrswidrig ein grĂŒn-weißer VW-Bus, der die Hofeinfahrt blockierte. In der Einfahrt wurde ich bereits sehnsĂŒchtig vom Sondereinsatzkommando erwartet, die mich alle mit finsteren Minen anschauten. Der AnfĂŒhrer dieser Gang fragte mich sofort, ob ich eine Waffe bei mir hĂ€tte. Ich bejahte diese Frage und ging auf ihn zu. Alle mit schusssicheren Westen und KampfanzĂŒgen ausgestattet, fast so gut wie die Nazis, mit denen ich ab und zu Probleme hatte. Jeder hatte die Hand auf dem Pistolengriff, wie im wilden Osten, sorry, Westen. Die sahen mich bestimmt schon von Kugeln durchsiebt am Boden liegen. Doch fĂŒr eine Konfrontation mit einer „GrĂŒnen Bande“ wĂŒrde ich mir bestimmt nicht solch eine Situation aussuchen. Der AnfĂŒhrer der Gang befahl mir, ihm die Waffe ganz vorsichtig auszuhĂ€ndigen, da sein Zeigefinger immer so zuckt. Ich griff in die rechte Innenseite meiner Jacke und holte die Gaspistole wie befohlen ganz langsam heraus und ĂŒbergab sie ihm. Die richtige Kanone auf der linken Innenseite meiner Jackentasche wollten die nicht.

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 Die Anspannung der Gang wich zurĂŒck. Die Schweißperlen tropften dem einen oder anderen herunter. Sie waren happy, sie hatten mich entwaffnet. Eine Anzeige folgte und es gab eine Gerichtsverhandlung, in der ich wegen des Vorfalls mit dem tĂ€towierten Schwarzenegger-Verschnitt zu drei Monaten auf BewĂ€hrung verurteilt wurde. Notwehr wurde nicht anerkannt, da ich ja noch lebe.

 Die Gang ging wieder zurĂŒck zu ihrem grĂŒn-weißen VW-Bus und sie fuhren weg. Ich ging in meine Garage und dachte nach. So konnte es doch nicht weitergehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich wirklich mal im Straßengraben liege, wie es mir schon so oft angedroht wurde. Oder ich sitze im Knast, nur weil ich mich nicht umbringen lassen möchte. Die einzige Lösung war, schnellst möglichst zu verschwinden. Das schöne Haus und mein Freundeskreis aufzugeben. Aber was sollte ich beruflich machen. Aus den Immobilen-VerkĂ€ufen hatte ich noch ein paar Mark RĂŒcklagen. Ich stand also nicht unter Druck, von heute auf morgen Geld verdienen zu mĂŒssen.

 1998 verkaufte ich noch eine Eigentumswohnung im Neubau fĂŒr 235.000.- DM. Die HĂ€lfte davon bekam meine Ex, da sie ja noch MiteigentĂŒmer dieser Eigentumswohnung war, doch mit der anderen HĂ€lfte könnte ich ja auch ein paar Jahre ĂŒberbrĂŒcken. Ich suchte nach einer TĂ€tigkeit, ohne großes Investitionsrisiko und ohne rĂ€umliche Bindung, die ich von ĂŒberall aus durchfĂŒhren könnte. Eines Tages sah ich eine Reportage im Fernsehen, die mich auf Anhieb begeisterte. Mit Computer und Webcam verdienten schon viele Leute im Bereich der Erotik ihr Geld. Nur ein Internetanschluss war erforderlich. Ein MilliardengeschĂ€ft mit zweistelligen Zuwachsraten. Es gibt immer mehr Single-Haushalte. Immer mehr Haushalte haben einen DSL-Internetzugang. Eine geniale Idee. Man kann von jeder Wohnung auf der ganzen Welt damit Geld verdienen. Ich war begeistert, dies war die Lösung.

 Alles schön und gut. Doch ich hatte weder Ahnung von Computern, noch hatte ich jemals mit Internet oder Erotik-Portalen was am Hut. War alles ganz neu fĂŒr mich. Doch dies war auch meine Chance. Der Investitionsaufwand hielt sich in Grenzen. Ich fuhr am nĂ€chsten Tag gleich zum Media-Markt, der in den nĂ€chsten Jahren zu meinem Lieblingsladen wurde, wo ich dann bis zum Jahre 2003 ca. 25.000.- € fĂŒr Soft- und Hardware ausgegeben hatte. Der neueste Computer hatte einen 400er MHZ Prozessor, 40 GB Festplatte und 64 MB Arbeitsspeicher. War alles fachchinesisch fĂŒr mich. Ich lies mich beraten und entschied mich dann fĂŒr den neuesten PC. Lautsprecher-Boxen und eine Webcam gab es auch. PC-Zeitschriften holte ich mir ab jetzt jede Woche an der Tankstelle.

 Als gelernter Werkzeugmacher war es nicht einfach, mit diesem „Spielzeug“ richtig umzugehen. Ich musste ein großes Puzzle zusammenfĂŒgen, doch ich hatte erst ein Teilchen in den HĂ€nden. Bis das Puzzle fertig war, verging ein Jahr. Als Schwabe bin ich gewohnt zu arbeiten. Auch wenn dies alles nur Theorie war und sich das Endprodukt, die Live-Übertragung von Erotik virtuell in der Phantasie vollzieht, wollte ich es unbedingt schaffen. Ende 1999 hatte ich meine Homepage fertig. Mit einem MĂ€del aus der Nachbarschaft, von der ich meinen SchĂ€ferhund hatte, fing alles an. Sie strippte bereits auf Partys und modelte hin und wieder. Wir machten Soft-Erotik Fotos und die ersten Erotik-Filme. Nun begeisterte sie ihre Freundinnen von dieser Idee, die alle davon fasziniert waren. Die Filmaufnahmen und die Fotos stellte ich in die Homepage rein. Von Live senden waren wir noch weit entfernt. Einer meiner Mieter war in einer bekannten Software-Firma angestellt. Er hat mir nicht geholfen. Er sagte immer, dass ich es nie schaffen wĂŒrde.

 Es gab Tage, da wollten ich den Computer auf den MĂŒll werfen. Wenn ich nach 12 oder 14 Stunden Arbeit keinen Millimeter vorwĂ€rts gekommen bin. Doch ich gab nicht auf. Wenn mein Kopf rauchte und ich mich nicht mehr konzentrieren konnte, dann machte ich eine Tour mit einem meiner MotorrĂ€der. Zwischenzeitlich hatte ich mir eine neue CBR 1100 XX gekauft mit 160PS, meine Fireblade verkauft und mir noch ein Unfallmotorrad gekauft, auch eine CBR 1100 XX, das einen unbeschĂ€digten KLM-Motor mit 175PS hatte. Die Motoren tauschte ich aus, da das Unfallmotorrad SchĂ€den am Rahmen hatte und nur noch bedingt fahrtĂŒchtig war.

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 Adrenalin wurde frei, wenn auf der Autobahn die Tachonadel die 320km/h ĂŒberschritt. Auf dem Hinterrad ging diese Höllenmaschine jetzt bis 150km/h im zweiten Gang. Nach jeder Fahrt war Duschen angesagt und ich war wieder voll einsatzfĂ€hig.

 Die Homepage wurde bis zu 30.000 mal tĂ€glich angeklickt. Ganz vereinzelt hat sich jemand mal ein Foto downgeloaded. Von diesem GeschĂ€ft konnte man nicht leben, oder die laufenden Kosten finanzieren. Es gab zu viele, die schon vor mir diese Idee hatten. Zwischenzeitlich konnte man sich Fotos und Videos  kostenlos aus dem Internet downloaden. Wir kamen nicht darum herum, live zu senden. Ein paar Wochen spĂ€ter hatte ich die Übertragungstechnik raus und die damals bekannteste Internet-Erotik-Chat Plattform visit-x.net gefunden. Wir begannen live zu senden. Mit gigantischem Erfolg. Alle Einnahmen investierte ich sofort wieder in neue ArbeitsplĂ€tze mit Computer, Monitor, Webcam, Digitalcam, Fernsehkarten, Arbeitsspeicher und Dekoration. So kam ich zu 7 Computeranlagen, die zu drei Doppel-ArbeitsplĂ€tzen und einem Einzel-Arbeitsplatz aufgebaut wurden. Über die Presse bekam ich weitere Chaterinnen, die auch keine Hemmungen davor hatten, ein bisschen nackte Haut zu zeigen.

 Das GeschĂ€ft lief immer besser. Wir sendeten jetzt bei mehreren Internet-Portalen gleichzeitig. Ich hatte es geschafft, ich hatte ein GeschĂ€ftsmöglichkeit gefunden, die ich in jedem Land ausĂŒben konnte. Im Sommer 2003 versuchte ich die Firma fĂŒr 50.000.- € zu verkaufen, also fĂŒr ein Jahreseinkommen und wollte endlich aus dem Chaoten-Land wegziehen. Es gab viele Bewerber, alle mit dem gleichen  Problem. Niemand hatte einen Cent in der Tasche, ganz im Gegenteil, die meisten wollten am Anfang noch eine kostenlose Ausbildung und ÜberbrĂŒckungsgeld. Ja das kennen wir schon. Der Freund eines camgirls hat dann die MĂ€dels ĂŒbernommen, die dann fĂŒr ihn sendeten. Ich packte meine Technik zusammen und baute vorĂŒbergehend alles in SchwĂ€bisch Hall auf. Nur so schnell wie möglich von dort weg.

 Zwischenzeitlich lag ein Haftbefehl wegen Körperverletzung gegen mich vor und ich sollte mich in der JVA melden. Alle meine BemĂŒhungen beim Staatsministerium der Justiz in Dresden und beim Innenministerium in Berlin um eine Wiederaufnahme des Verfahrens, bzw. eine Begnadigung zu erreichen, blieben ohne Resonanz. DafĂŒr hĂ€tte die Chemnitzer Staatsanwaltschaft zustimmen mĂŒssen. Und gerade die hatten sich ja fĂŒr eine Inhaftierung eingesetzt, dafĂŒr sogar Gerichtsakten manipuliert und Entlastungsmaterial verschwinden lassen. Man wollte auf Nummer sicher gehen und sich nicht mehr in die Suppe spucken lassen.

 In SchwĂ€bisch Hall hatte ich innerhalb von zwei Monaten wieder ein Studio aufgebaut und beinahe den gleichen Umsatz wie vorher in Chemnitz erreicht. Doch ich musste wegen des Haftbefehls aus Deutschland verschwinden. Ich sollte fĂŒnf Monate auf Kosten der Steuerzahler Urlaub hinter vergitterten Fenstern machen. Aus Deutschland wollte ich ja schon lange weg, doch die Abreise hatte ich mir ein bisschen anders vorgestellt. Meine camgirls waren damit einverstanden, ja sie waren sogar davon begeistert, dass ich die ArbeitsplĂ€tze bei denen zu Hause aufbauen wollte und sie von dort aus senden konnten. So hatten sie keine Anfahrtswege mehr und hĂ€tten viel öfter Zeit, auch mal tagsĂŒber zu senden. Gesagt getan. Ende 2003 hatte ich alle ArbeitsplĂ€tze bei den MĂ€dels aufgebaut und am 03.01.2004 verlies ich Germany in Richtung Alicante.

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So meine lieben Leser, jetzt erfahren Sie, weshalb ich mit Haftbefehl gesucht wurde. Welches Verbrechen ich begangen hatte. Im FrĂŒhjahr 1999 arbeitete ich in meiner Wohnung in der obersten Etage des Hauses am Computer. Auf dieser Etage befanden sich noch zwei Wohnungen. Eine 100qm große Wohnung, die ich bis auf weiteres leer stehen lies, weil ich versuchte, sie zu verkaufen. Die zweite ca. 60qm große Wohnung eines Kapitalanlegers hatte ich an eine 50 jĂ€hrige Frau vermietet. Es war die Mutter des KĂ€ufers der Wohnung aus dem Neubau, die ich ihm1998 verkauft hatte.

 Mein damals ein paar Monate alter Deutscher SchĂ€ferhund lag vor meiner WohnungstĂŒre, von dort aus er ĂŒber ein Treppenhausfenster in den Garten schauen konnte. So bald dort ein Artgenosse, oder eines der Kinder aus dem Hause bzw. aus der Nachbarschaft auftauchte, kam er herein und forderte mich dazu auf, mit ihm hinauszugehen, um seine Spielkameraden zu besuchen. Die WohnungstĂŒre war nur angelehnt. Vor meiner WohnungstĂŒre hörte ich meinen kleinen Hund schrecklich jaulen. Dies hatte er noch nie gemacht. Ich ging schnell zur WohnungstĂŒre und öffnete sie. Draußen stand mit dem RĂŒcken zu mir die 50 jĂ€hrige Frau aus der  Nachbarwohnung, die mit voller Wucht immer wieder und immer wieder mit den Stiefeln in den kleinen Hund trat. Ich ging die ca. 3m vor und trat dieser Frau mit dem Fuß in den Hintern. Sie hörte sofort damit auf, meinen Hund weiter zu quĂ€len. Ohne etwas zu sagen ging sie die Treppen hinunter.

 Ein paar Tage spĂ€ter erhielt ich eine Anzeige wegen Körperverletzung. Daraufhin erstattete auch ich Anzeige wegen TierquĂ€lerei. Meiner Anzeige legte ich noch mehrere Aussagen von den Nachbarn der vorherigen Wohnung dieser Frau bei, die aussagten, dass sie schon mehrmals Kinder verprĂŒgelt hatte, die anschließend Ă€rztlich behandelt werden mussten. Außerdem bestĂ€tigte mir noch der Mieter der zweiten Wohnung im Neubau, dass diese Frau sich unter Gewalt Zutritt zu seiner Wohnung verschaffte und auf ihn eingeschlagen hatte. Der Grund dafĂŒr war, dass er ein VerhĂ€ltnis mit der Schwiegertochter dieser 50jĂ€hrigen Frau hatte,.

 Der Grund fĂŒr die TierquĂ€lerei an meinem damals ein paar Monate alten Deutschen SchĂ€ferhund war, dass sich diese Frau unsterblich in mich verliebt hatte und keinen Hehl daraus machte, dass sie mich heiraten wollte. Da ich aber oft Damenbesuch hatte, erzĂŒrnte sie so sehr, dass sie ihre Aggressionen an einem wehrlosen kleinen Hund ausließ. Die Anzeige wegen TierquĂ€lerei wurde mangels öffentlichem Interesse eingestellt. Die Anzeige gegen mich wegen dem Tritt in den Hintern fĂŒhrte zu einer Gerichtsverhandlung. Da war öffentliches Interesse vorhanden. Zu dieser Verhandlung hatte ich zu meiner Entlastung all die Personen als Zeugen beantragt, die mir schon die Gruselstorys schriftlich bestĂ€tigt hatten. Diese BestĂ€tigungen lagen dem e-renwerten Gericht bereits vor. Aber vom Gericht wurden alle Zeugen abgelehnt, da deren Aussagen nichts mit dem Fall zu tun hĂ€tten. Die eidesstattlichen ErklĂ€rungen dieser Zeugen wurden nicht gewertet.

 Die 50 jĂ€hrige psychisch gestörte Frau schilderte den Fall vor Gericht so, dass ich ihr mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen hĂ€tte, weil sie meinen Hund zur Seite geschoben hĂ€tte. DiesbezĂŒglich machte sie bei ihrer Anzeige gegen mich schon Angaben. Die jetzigen Angaben waren stark im Widerspruch mit den Angaben, die sie ein paar Monate vorher bei ihrer Anzeige machte. Sie hatte nicht nur Alzheimer, sondern war auch noch eine schlechte LĂŒgnerin. FĂŒr das Gericht noch lange kein Grund, das Verfahren einzustellen. Die Anschuldigungen gegen mich in Bezug auf die FaustschlĂ€ge ins Gesicht wurden auf Grund der mehrmals widersprĂŒchlichen Aussagen hinfĂ€llig. Nur der von mir geschilderte Vorgang, dass sie meinen Hund massiv mit Tritten traktiert hatte und ich ihr dann einen Tritt in den Hintern versetzte, wurde vom „e-renwerten“ Gericht als Hergang gewertet.

 Ich freute mich zu frĂŒh. Defensive Notwehr bei Gefahr in Verzug  wurde von der ehrenwerten Richterin nicht zugelassen. Ich hĂ€tte so lange zuschauen sollen, bis diese Frau ihre Aggressionen an dem kleinen Hund beendet hatte. Kommentar zwecklos. Eigentlich dachte ich an einen Orden und nicht an eine Bestrafung. Doch ich wurde zu 6 Monaten GefĂ€ngnis auf BewĂ€hrung verurteilt, davon 1 Monat gegen eine Geldstrafe erlassen.

 Wir sind ja in der DDR. Hier wird auf den Rechtsstaat geschissen. Anarchie erlebte ich ja fast tĂ€glich auf den Straßen und einmal im Monat im Gerichtssaal. Gegen diese Richterin hatte ich bereits eine Anzeige wegen staatsfeindlichem Verhalten erstattet. Mehrere solche Verurteilungen hatte ich beigefĂŒgt. Doch das SĂ€chsische Justizministerium in Dresden regte sogar weitere Anzeigen gegen mich an, weil ich diese Richterin in einem vorangegangen Fall als menschlichen Abschaum bezeichnete.  

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 Als BewĂ€hrungsauflage erhielt ich die Anordnung zur Ableistung von 100 gemeinnĂŒtzigen Stunden. Als Bestrafung dafĂŒr, dass ich nicht zuschauen kann, wenn wehrlose Tiere gequĂ€lt oder AuslĂ€nder auf der Strasse zusammengeschlagen werden. Ich grĂŒndete einen gemeinnĂŒtzigen Verein, der auch die steuerliche Anerkennung bekam. Sinn dieses Vereins war es,  eine Kampfausbildung zu absolvieren, um AuslĂ€ndern und Tieren helfen zu können, wenn sie von DDR-lern attackiert werden. Ich nannte die Namen der Kursteilnehmer und die Anzahl der Stunden der Ausbildung, die von mir durchgefĂŒhrt wurde. Die Kursteilnehmer unterschrieben auch in der Anwesenheitsliste. Diese Unterlagen schickte ich an das Gericht und hörte nichts mehr davon. Bis, ja bis der vom Gericht gesetzte Termin zur Ableistung der gemeinnĂŒtzigen Stunden verstrichen war.

 Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hatte meinen gemeinnĂŒtzigen Verein, der notariell beglaubigt, vom Finanzamt anerkannt und im Handelsregister eingetragen war, nicht anerkannt und beantragte beim „e-renwerten Gericht“ den Widerruf der BewĂ€hrung. Die e-renwerte Richterin kam diesem Antrag nur zu gerne nach. Mein Einspruch gegen den Widerruf der BewĂ€hrung wurde als unbegrĂŒndet zurĂŒckgewiesen. Mit rechtsstaatlichen Mitteln konnte ich nichts erreichen. Die Chemnitzer Justiz macht ihre eigenen Gesetze, mit Tolerierung bzw. Anstiftung des SĂ€chsischen Staatsministeriums der Justiz. Und den StaatsanwĂ€lten habe ich zu oft in die Suppe gespuckt. Na dann frage ich mich, was Sachsen in Deutschland verloren hat, wenn die ihre eigenen Gesetze machen. Und in Berlin soll mir niemand erzĂ€hlen, dass er von dieser Anarchie nichts mitbekommt. Es wird toleriert. Der Zusammenbruch Deutschlands muss um jeden Preis noch ein paar Jahre hinausgeschoben werden. Zumindest so lange, bis die Schwarzgeld-Konten der Parteien prall gefĂŒllt sind.

 Dass es in Sachsen auch verantwortungsbewusste Leute gibt, demonstriert das Engagement einiger Dresdner BĂŒrger, die im Juni 2005 am Elbufer riesige Plakate aufgestellt hatten, auf denen all die Namen der AuslĂ€nder aufgefĂŒhrt waren, die seit 1990 in der DDR abgemurkst wurden. Hatte viel GlĂŒck, dass mein Name nicht dabei war.

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 Fast jeden Abend ging ich in einer nahe gelegenen Siedlung spazieren, die zwischenzeitlich abgerissen wurde, weil nur ein paar Leute dort wohnten. Einmal kam mir eine Person auf dem Gehsteig entgegen. Ich wechselte mit meinem Deutschen SchĂ€ferhund die Straßenseite, weil er nicht angeleint war. Diese Person dann auch. Er blieb mitten auf dem Gehsteig stehen. Nun lief ich auf der Straße weiter. Er kam auch auf die Straße und blieb vor mir stehen. Er sagte nun, dass ich hier nichts zu Laufen hĂ€tte, ich könnte bei meinem Haus spazieren gehen. Ein Kommentar wĂ€re zwecklos gewesen und hĂ€tte nur noch grĂ¶ĂŸere Aggressionen hervorgerufen. Als ich nun wieder auf den Gehsteig zurĂŒck gehen wollte, um dort weiter zu laufen, fasste er mich an meiner Schulter an und hielt mich fest. Er fragte, ob ich schlecht hören wĂŒrde. Ich fasste sein Handgelenk, drehte es herum, so dass diese Person mit der Seite zu mir stand und versetzte ihm einen Tritt in den Hintern.

 Er zeigte mich an wegen Körperverletzung. Daraufhin erstattete ich Anzeige wegen Nötigung und Körperverletzung. Meine Anzeige wurde wieder mangels öffentlichem Interesse eingestellt. Es gab wieder eine Gerichtsverhandlung. Notwehr wurde nicht anerkannt und wurde wie ĂŒblich wegen Körperverletzung verurteilt. Die Richterin meinte noch, dass ich den Zwischenfall provoziert hĂ€tte. Ich hĂ€tte ja umdrehen und zurĂŒck gehen können. Und solche Richter dĂŒrfen Urteile fĂ€llen. Armes Deutschland, wie tief bist du gesunken. Einfach jĂ€mmerlich.

 Mit solchen Geschichten könnte ich noch mehrere Seiten fĂŒllen. Doch ich möchte nur einen Einblick gewĂ€hren fĂŒr die extremem Aggressionen der BĂŒrger, die nach der 20.Flasche Bier keinerlei  Hemmungen mehr hatten. Sogar dafĂŒr hatte ich VerstĂ€ndnis. Nur nicht fĂŒr die Unrechtsurteile einer korrupten und kriminellen Justiz.

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 Zur Abwechslung noch ein Bericht aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 06.10.2005. Eine 15 jĂ€hrige (AuslĂ€nderin?) wurde in Oschersleben mehrere Stunden lang von drei Personen misshandelt. Sie musste sich bis auf die UnterwĂ€sche ausziehen. Auf offener Straße. Erst kurz bevor man dieses MĂ€dchen totschlug, griff ein Passant ein und das MĂ€dchen konnte ihren Peinigern entkommen. Bin mal gespannt, ob dieser Passant auch verurteilt wird, weil er die QuĂ€lereien nicht mehr mit ansehen konnte. Zumindest von mir wĂŒrde er einen Orden erhalten. Drei Stunden lang wurde auf offener Straße ein MĂ€dchen gequĂ€lt, bis jemand geholfen hatte. So viel GlĂŒck hatte der 8-jĂ€hrige Joseph in Sebnitz nicht. Er wurde “ermordet” und alle schauten zu.

 Ich mache dem Pöbel aber nicht den geringsten Vorwurf. Durch die Verhaltensweise der Polizisten, StaatsanwĂ€lte und Richter werden diese Leute ja regelrecht dazu ermutigt, ihre Aggressionen an AuslĂ€ndern und West-BĂŒrgern abzulassen. NatĂŒrlich darf man sich da nicht wehren. Da könnte ja jeder kommen und den Jungs den Spaß verderben. Wo kĂ€men wir denn da hin? Asylanten kann ich ja verstehen, wenn sie sich alles gefallen lassen mĂŒssen. Sonst werden sie ruck zuck abgeschoben. Dieses menschenverachtende Verhalten muss doch irgendwann mal bestraft werden. Bin mal gespannt, wann die ersten DDR-ler abgemurkst werden. Mit rechtstaatlichen Mitteln kann man dieses Verhalten nicht Ă€ndern.

 Noch eine Geschichte halte ich fĂŒr wichtig. Eines Nachts im Jahre 2001 so gegen 2 Uhr rauchte wieder mein Kopf. Wir hatten auf mehreren Computern Viren und WĂŒrmer drauf. Auch die auf einer anderen Partition gespeicherten Backups waren verseucht. Also alle Partitionen formatieren und Neuinstallation. Am nĂ€chsten Morgen sollten alle Computer wieder störungsfrei laufen. Ich musste Pause machen und fuhr mit dem Pkw in die Innenstadt, an den Rand der FußgĂ€ngerzone. Meinen SchĂ€ferhund nahm ich mit, damit er wieder Zeitung lesen konnte, welcher seiner Freunde auch da war. Kein Mensch weit und breit. Er durfte deshalb ohne Leine spazieren gehen, obwohl in der FußgĂ€ngerzone Leinenpflicht herrscht. Ich schlenderte in Gedanken versunken an den Schaufenstern vorbei. Ab und zu parkten verkehrswidrig Fahrzeuge.

 Plötzlich sprang mein SchĂ€ferhund zwischen zwei Autos hervor und direkt hinter mich. Ich hörte nur eine Person schreien, die sofort wegrannte und ein Messer flog gegen die Schaufensterscheibe. Aha, da wollte mich jemand wieder mal von hinten abmurksen. Er hatte sich hinter einem MĂŒlleimer versteckt, weil ich ihn nicht gesehen hatte. Doch mein SchĂ€ferhund hatte die Gefahr gespĂŒrt und somit mein Leben gerettet. FĂŒr diesen Vorfall erhielt ich keine Anzeige. Ungewöhnlich. Und dies, obwohl ich gegen geltendes Recht verstoßen hatte und meinen Hund ohne Leine in der FußgĂ€ngerzone laufen lies. Dies wĂ€re fĂŒr die StaatsanwĂ€lte ein willkommener Anlass gewesen, mich sofort in den Knast zu stecken. Doch dies hatten sie trotzdem erreicht. Sie mussten nur Gerichtsakten fĂ€lschen und Entlastungsmaterial verschwinden lassen. So geht das auch in einem Rechtsstaat.

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 Am 13.Dezember 2000 war es abends noch so warm, wie in einer Sommernacht. Der Wetterbericht hatte aber schon eine Änderung der Großwetterlage vorhergesagt. Mein Motorrad stand frisch poliert in der Garage und lachte mich an. Mein zweites Motorrad, das Unfallmotorrad, welches nur bedingt fahrtĂŒchtig war, mit dem ich mich nicht traute, mehr als 100km/h zu fahren weil dann der Lenker anfing zu flattern, stand ca. 500m entfernt auf einem einsamen Parkplatz, zwischen zwei Hecken, mit einer Plane abgedeckt. Diese Maschine nutzte ich nur, um die „GrĂŒne“ zu Ă€rgern. Wenn dann mal wieder etwas passierte, fĂŒr das ich verdĂ€chtigt wurde, kamen die GrĂŒnen und kontrollierten bei dem vor der Garage stehenden Motorrad, ob der Motor warm war, das Fahrzeug also vor kurzem noch bewegt wurde. Doch der Motor war jedes mal kalt.

 Mit Absicht hatte ich dieses Motorrad immer vor die Garage gestellt, damit die GrĂŒnen mich nicht jedes mal aus dem Schlaf klingeln mussten. Die Jungs verstanden die Welt nicht mehr. Weil ich nicht sicher wusste, ob ich immer noch observiert wurde, lies ich mein Kellerfenster auf, durch das ich ohne Probleme ins Haus gelangte. Der Rest unserer schönen Zysternenhecke vor dem Haus schĂŒtzte mich vor neugierigen Blicken. Außerdem war dieser Bereich vom Nachbarhaus aus, von dem ich observiert wurde, nicht einsehbar.

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 WĂ€hrend die Polizisten im Innenhof, vor der HaustĂŒre auf mich warteten, konnte ich ĂŒber das Kellerfenster in meine Wohnung gelangen und mich in Ruhe schlafen legen. Am spĂ€ten Abend dieses 13.Dezember 2000 wollte ich die Gunst der Stunde nutzen, um nochmals so richtig doll zu dĂŒsen. Meine Lieblingsstrecke nach Kumotov in die Tschechei, ca 35 km einfache Strecke, kannte ich in- und auswendig. Die 2-spurig ausgebaute Straße zwischen Chemnitz und Zschopau mit vielen Kurven, da zeigte der Tacho 260km/h an. An Zschopau vorbei, dann das MZ-Werk, wo die FahrrĂ€der mit Hilfsmotor gebaut wurden, den Berg hinauf Richtung Marienberg. Ideale Bedingungen zum Biken. Trockene Straße, weinig Verkehr, einfach klasse.

 Drei Kilometer vor Marienberg, am Ende einer langen Gerade, wo der Tacho gerade noch 290km/h anzeigte, fing der Motor an zu stottern. Die Tankanzeige sagte mir auch warum. Weil die Leuchtdiode an diesem Bike defekt war, hatte ich nicht darauf geachtet. Ein paar Tage vorher hatte ich ja getankt. War aber das Unfallmotorrad, mit dem ich tanken war. Die letzten 100m zu einer Ortschaft musste ich mein Bike schieben und stellte es gleich an der ersten Einfahrt ab. Nach Marienberg waren es nochmals 2 km. Ein LKW-Fahrer, der aus Richtung Marienberg kam, hatte gesehen, wie ich das Motorrad schob. Er hielt an und fragte mich, ob er was helfen könnte. Ich bedankte mich bei ihm fĂŒr das Hilfsangebot und sagte, dass ich nach Marienberg laufe oder trampe, um Benzin zu holen. Gleich am Ortseingang ist eine Tankstelle.

 Doch der sagte, dass die Tankstelle schon geschlossen hat. Er kommt gerade von dieser Tankstelle. Es war bereits 22.15Uhr und die Tankstelle schließt um 22Uhr. Da nahm ich sein Angebot an, mich mitzunehmen, weil in Zschopau eine Tankstelle die ganze Nacht geöffnet hat. Dort kaufte ich mir ein Ersatzkanister und betankte ihn mit Super Plus. Mit dem Helm in der einen Hand und dem Ersatzkanister in der anderen spazierte ich ca. 500m die Straße entlang, als eine Trabant-Fahrerin anhielt, um mich mitzunehmen. Sie war auch Motorrad-Fan. Sie wohnte in Marienberg, konnte mich also auf dem Weg dorthin direkt am Bike absetzen, das ich da 5m von der Hauptstraße entfernt abgestellt hatte. Ich bedankte mich vielmals und war schon dabei, den Benzinkanister aufzuschrauben.

 Die kleine Maus fuhr weiter und ich stand da und suchte mein Motorrad. Ich schaute ein paar Meter weiter, vielleicht hat sich jemand daran gestört und mein Bike ein paar Meter weitergeschoben. Doch ich fand nichts. Ich stellte den Benzinkanister ab und zĂŒndete erst mal eine Zigarette an. Ich wollte es einfach nicht glauben. Mein geliebtes Bike, meine Höllenmaschine, die noch nie ein Rennen verloren hatte, mit dem ich schon so viele schöne Stunden verbracht hatte, einfach weg? Ich rauchte noch eine Zigarette und noch eine. Doch das Bike war immer noch weg. Diese Stelle war nur aus Richtung Marienberg einsehbar, wenn jemand Fernlicht anhatte. Vielleicht hĂ€tte ich sie doch ein paar Meter weiter schieben sollen, damit man sie von der Straße aus nicht sehen konnte. VorwĂŒrfe ĂŒber VorwĂŒrfe machte ich mir.

 Aus Richtung Marienberg kamen jetzt zwei Pkw. Ich schnappte den Ersatzkanister und meinen Helm und stellte mich schnell an den Straßenrand und trampte. Das zweite Fahrzeug hielt an und nahm mich nach Zschopau mit. Auf der Schnellstraße spazierte ich dann weiter Richtung Chemnitz. Doch keine 500m musste ich laufen, da hielt schon das erste Fahrzeug an und nahm mich mit in die Chemnitzer Innenstadt, von dort aus spazierte ich dann nach Hause.

 Mein Deutscher SchĂ€ferhund erwartete mich schon sehnsĂŒchtig und freute sich sehr. Die BegrĂŒĂŸung schien nicht enden zu wollen. Als ob er es spĂŒrte, was passiert war. In dieser Nacht durfte er sogar im Bett schlafen. Sein Kopf lag neben meinem und seine Pfote legte er auf meine Decke. Ich schlief unruhig und war am nĂ€chsten Morgen schon wieder um 7 Uhr wach. Ein Gedanke beschĂ€ftigte mich. Es war ja nicht mal eine halbe Stunde vergangen, wo mein Bike unbeaufsichtigt abgestellt war.

 Ich verdĂ€chtigte den LKW-Fahrer, der mich nach Zschopau mitgenommen hatte. Die nĂ€chste Abfahrt ist nur ein Kilometer entfernt. Hatte er dort gewendet und ist zurĂŒck gefahren? Sein 7,5t LKW hatte eine Laderampe. Er war krĂ€ftig und hĂ€tte ohne große Probleme mein Bike, bei dem nur das Lenkradschloss eingerastet war, auf seine Laderampe schieben und verschwinden lassen können. Dies war meine Theorie. Doch ich hatte kein Kennzeichen vom LKW. Ich konnte nur den Fahrer beschreiben.

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 Dann holte ich meinen Audi S3 aus der Garage und mein Hund durfte ausnahmsweise auch mal mitfahren. Mein Ziel war das Polizeirevier in Marienberg. Dort erstattete ich Anzeige wegen Diebstahl. Eine Kopie dieser Anzeige faxte ich meiner Versicherung, da das Bike Teilkasko versichert war. Aus zwei Pkw-DiebstĂ€hlen in Chemnitz hatte ich was gelernt. Die Polizisten recherchierten ordnungsgemĂ€ĂŸ. Meine Angaben wurden an der Zschopauer Tankstelle bestĂ€tigt, dass ich am Abend zuvor um ca. 22.30Uhr einen Benzinkanister und Benzin gekauft hatte, meine Lederklamotten anhatte und den Helm in den HĂ€nden hielt. Dass der oder die TĂ€ter nicht ermittelt werden konnten, dachte ich mir. Ich konnte zu wenig Angaben zu diesem LKW machen, der angehalten hatte, als ich das Bike schob und der mich dann nach Zschopau zur Tankstelle mitgenommen hatte. Die Versicherung zahlte ordnungsgemĂ€ĂŸ den Zeitwert des Motorrads, 2000.- DM Selbstbeteiligung wurden abgezogen.

 Jetzt hatte ich nur noch das Unfallmotorrad, das gerade mal fĂŒr den Stadtverkehr taugte und auch nicht angemeldet war. Das “zweite” Kennzeichen von der ersten Maschine konnte ich ab jetzt auch nicht mehr fĂŒr dieses Bike verwenden. Ich zerlegte dieses Unfallmotorrad in alle Einzelteile und sortierte alle defekten Teile aus. Die Teile, die noch in Ordnung waren, polierte ich auf Hochglanz. Die defekten Teile durch Neuteile zu ersetzen, wĂ€re zu teuer geworden. Ich telefonierte regelmĂ€ĂŸig mit HĂ€ndlern, die in der Zeitschrift Motorrad UnfallmotorrĂ€der aufkauften, um von denen gute gebrauchte Teile zu bekommen. Das eine oder andere Teil bekam ich auch. Doch der Aufwand war mir zu groß. Hatte ja noch nebenher eine Internetfirma, um die ich mich kĂŒmmern musste.

 Im September 2001 inserierte ich in www.mobile.de das Unfallmotorrad und versuchte es fĂŒr 4.800.- € komplett, oder auch in Einzelteilen zu verkaufen. Der Motor war ja aus meiner Erst-Maschine und hatte nur 18.000km drauf. Lediglich der halbe Preis wurde mir geboten. An einen Interessenten verkaufte ich den KFZ-Brief fĂŒr 1.000.- €, sowie die erst vor kurzem gekaufte Gabel mit einem Gewinn von 100.- €. Auf den anderen Teilen blieb ich sitzen.

 Im FrĂŒhjahr 2003 fiel mir ein Inserat bei www.mobile.de auf, wo jemand eine CBR 1100 XX Bj.1998, also noch mit Vergaseranlage verkaufen wollte, bei dem der gesamte Heckbereich beschĂ€digt war. Motor erst 22.000km, Farbe rot, fĂŒr 3.000.- €. Das war es. Ich telefonierte sofort und der HĂ€ndler brachte mir mit einem Kleintransporter die Maschine zur Besichtigung sogar vorbei. FĂŒr 2.500.- € kaufte ich dieses Unfallmotorrad. FĂŒr den KFZ-Brief wollte er aber 800.- € extra. Den kaufte ich nicht. Ich zerlegte nun dieses Unfallmotorrad. Einige Teile hatte ich jetzt doppelt. Sogar den Motor. Doch alle Teile, die mir beim ersten Unfallmotorrad fehlten, hatte ich jetzt komplett. Manche hatte ich jetzt sogar doppelt. Alle Teile wurden wieder sorgfĂ€ltig gereinigt und poliert. Durch den Heckschaden war auch dieser Rahmen verzogen. Hatte ich beim Kauf nicht gemerkt. Ein Blick in den Kaufvertrag belehrte mich, dass ich das Unfallmotorrad unter Ausschluss jeglicher GewĂ€hrleistungsansprĂŒche, gekauft hatte. Eigentlich auch logisch.

 Jetzt war ich schon so weit, da wollte ich nicht aufgeben. Bei einem Honda-HĂ€ndler kaufte ich mir einen neuen Rahmen und baute die Maschine komplett zusammen. Ohne Handbuch hĂ€tte ich dies aber auch nicht geschafft. Sie stand jetzt da, wie im Neuzustand. Verschleißteile wie der Kettensatz, BremsbelĂ€ge, Reifen, Rad- und Lenkkopflager, Luftfilter und ZĂŒndkerzen hatte ich vorsorglich neu gekauft.

 Ich fuhr das Motorrad mit einem AnhĂ€nger zur DEKRA in Chemnitz, um ein Vollgutachten machen zu lassen. Von meinem ersten, dem gestohlenen Motorrad hatte ich ja noch den KFZ-Brief.  Das Vollgutachten wurde ohne Beanstandung durchgefĂŒhrt. Lediglich die Rahmennummer fehlte Bei dem neuen Rahmen musste die Rahmennummer noch eingeschlagen werden. Die Rahmennummer gravierte ich ein und bekam am nĂ€chsten Tag mein Vollgutachten ohne Beanstandung und konnte somit das Motorrad endlich zulassen. Dass es wegen des KFZ-Briefes RĂŒckfragen geben wird, der ja von meiner im Jahre 2000 gestohlenen Maschine war, dachte ich mir. Doch ich hatte sorgfĂ€ltig alle Unterlagen aufgehoben. Die KaufvertrĂ€ge von den zwei Unfallmaschinen, von den Gebraucht- und Neuteilen und vom neuen Rahmen. Ich machte mir deshalb keine Sorgen.

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 UngefĂ€hr zwei Monate spĂ€ter erhielt ich von der Kripo eine Ladung, da die Maschine in Flensburg als gestohlen gemeldet war. Damit musste ich ja rechnen. Ich packte alle Unterlagen ein und nahm den Termin bei der Kripo wahr. Alle Unterlagen legte ich vor. Sie schickten mich vorerst mal wieder nach Hause und wollten erstmal alles ĂŒberprĂŒfen und mich zurĂŒckrufen, falls noch etwas unklar wĂ€re. Sie recherchierten mit den VerkĂ€ufern und dem Honda-HĂ€ndler. Alle meine Angaben wurden bestĂ€tigt. Ein paar Tage spĂ€ter rief ich auf dem Revier an. Ich wollte ja wissen, was los ist. Der Kripo-Beamte sagte mir, dass ich mir keine Sorgen machen soll, es wĂ€re alles in Ordnung, sie hĂ€tten alles ĂŒberprĂŒft. Der Staatsanwalt wird mit Sicherheit das Verfahren einstellen. Doch bis dahin sollte ich die Maschine abmelden, weil ein Motorrad mit dieser Rahmennummer in Flensburg noch als gestohlen gemeldet ist. Ich sollte mich deshalb mit Flensburg in Verbindung setzen, damit das Motorrad aus der Fahndung genommen wird.

 In Flensburg war man allerdings mit dieser Idee nicht einverstanden, da es jetzt ja zwei MotorrĂ€der mit der selben Rahmennummer gibt. Es wurde mir empfohlen, eine Einzelabnahme durchfĂŒhren zu lassen, wo ich eine neue Rahmennummer und einen neuen KFZ-Brief bekommen wĂŒrde. Honda Deutschland hatte mir bereits ĂŒber diese Möglichkeit ausgiebig Auskunft erteilt. Die Kosten wĂŒrden sich lediglich auf ein paar hundert € belaufen. VorĂŒbergehend meldetet ich das Motorrad wieder ab und stellte es zur  DEKRA nach Chemnitz, wo ich auch die Möglichkeit hatte, eine Einzelabnahme durchfĂŒhren zu lassen. Doch die Herren von der DEKRA weigerten sich, eine Einzelabnahme durchzufĂŒhren. Ein Verantwortlicher des TÜV Hessen, mit dem ich am nĂ€chsten Tag telefonierte, bestĂ€tigte mir, dass die DEKRA Mitarbeiter auch Pflichten haben, eine davon wĂ€re auch die DurchfĂŒhrung einer Einzelabnahme.

 Doch die weigerten sich nach wie vor, weil sie dies noch nie gemacht hatten. Also verblieb ich mit dem TÜV Hessen in Frankfurt so, dass ich die Einzelabnahme dort vornehmen lassen konnte, da sich dieser TÜV-Ingenieur auch bestens mit Honda-MotorrĂ€dern auskennt und dadurch die Einzelabnahme sogar wesentlich billiger wĂ€re. Mein Motorrad holte ich mit einem AnhĂ€nger wieder bei der DEKRA in Chemnitz ab und stellte es in die Garage. In den darauf folgenden Tagen war wieder viel Arbeit mit meiner Internetfirma angesagt. Zwei neue camgirls hatten angefangen, fĂŒr die ich Accounts mit Fotogalerien auf den Erotikportalen anlegen musste und parallel dazu versuchte ich noch die Firma zu verkaufen.

 In diesen Tagen flatterte ein Brief von der Staatsanwaltschaft Chemnitz ins Haus. Ich wurde des Versicherungsbetrugs beschuldigt. Auch denen schickte ich die Unterlagen, die ich bereits der Kripo ausgehĂ€ndigt hatte, sogar im Original. FĂŒr mich war der Fall bereits abgeschlossen, aber nur fĂŒr mich, nicht fĂŒr die Chemnitzer StaatsanwĂ€lte. Im Dezember 2003, als ich bereits in SchwĂ€bisch Hall wohnte und dort ein neues Studio aufgebaut hatte, bekam ich vom Amtsgericht Chemnitz eine Ladung fĂŒr einen Verhandlungstermin im MĂ€rz 2004 in dieser Sache. Jetzt kam ich in Schwierigkeiten. Wegen der Sache mit der „Körperverletzung“ erging bereits ein nationaler Haftbefehl gegen mich. FĂŒnf Monate Knast wegen eines Fußtritts in den Hintern, weil ich meinen SchĂ€ferhund vor massiven weiteren Attacken bewahrte, das sah ich nicht ein und verkrĂŒmelte mich am 03.01.2004 nach Alicante.

 Zu der Verhandlung im MĂ€rz 2004 bin ich nicht erschienen, wo ich problemlos meine Unschuld hĂ€tte beweisen können. Die hĂ€tten mich aber wegen des Haftbefehls doch sofort in den Knast gesteckt. Und im Ausland war ich sicher. Wegen 5 Monaten Knast bekommen die keinen internationalen Haftbefehl, dachte ich. Deswegen nicht, aber wegen der fingierten Anschuldigung des vorgetĂ€uschten Versicherungsbetrugs, da klappte es. Ein internationaler Haftbefehl wurde erlassen und ich wusste nichts davon.

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Ein paar Tage spĂ€ter erhielten meine Schwester und meine Ex-Freundin vom Finanzamt eine Rechnung von je 125.000.- €, zahlbar innerhalb von 2 Wochen. Sie legten Einspruch ein und beantragten bis zur KlĂ€rung die Aussetzung der Vollziehung. Darauf reagierte niemand. Bei beiden wurden sofort die Konten gesperrt und der Lohn gepfĂ€ndet. Das Finanzamt hatte den Auflösungsgewinn der GbR so hoch eingeschĂ€tzt, woraus diese hohe Gewerbesteuer-Schuld resultierte. Einkommensteuer war kein Problem, da wir ĂŒber 500.000.- € Abschreibungswerte vor uns her schoben.

 HĂ€tten wir die Immobilien zu den Preisen verkaufen können, wie das Finanzamt sie schĂ€tzte, wĂ€ren wir auf einen Schlag sehr reich gewesen. Zum Zeitpunkt der GbR-Auflösung im Jahre 1999 war der Immobilien-Markt bereits zusammengebrochen und wir konnten nicht mal mehr zum halben Preis die Wohnungen verkaufen. 40.000 Wohnungen standen in Chemnitz bereits leer. Tendenz rapide steigend.  Kaufbewerber wurden außerdem vom Umfeld abgeschreckt. Viele fuhren gleich wieder weiter, ohne sich die Wohnungen ĂŒberhaupt anzuschauen. Verkaufen konnte ich nichts mehr. WĂ€re das Haus 1 km und nicht nur 100m vom Jugendzentrum entfernt, wĂ€ren die Verkaufsverhandlungen durchaus erfolgreich gewesen.

 Ich packte meinen SchĂ€ferhund ins Auto und wir fuhren von Linz nach Sinsheim zu meiner Schwester. Ich brachte ihr Bargeld mit, damit sie vorerst keine Probleme mehr hatte. Dann ging es wieder zurĂŒck nach Linz in Österreich, wo ich seit Mai eine schöne Wohnung gemietet hatte.

 In der darauf folgenden Nacht erlitt ich einen schweren Schlaganfall. Ich dachte an einen Herzinfarkt. Auf allen vieren kroch ich ins Treppenhaus und lĂ€utete bei meinen Nachbarn mitten in der Nacht Sturm. Dabei musste ich mich laufend ĂŒbergeben. Stehen konnte ich auch nicht mehr. Ich war orientierungslos. Vor der WohnungstĂŒre meines Nachbarn brach ich zusammen. Als er öffnete, sagte ich ihm, dass er den Notarzt rufen soll, weil ich einen Herzanfall oder Kreislaufkollaps hĂ€tte. Dann bekam ich nichts mehr mit, ich wurde bewusstlos. Im Linzer Krankenhaus bin ich dann tagsĂŒber irgendwann mal aufgewacht. Ein paar Ärzte standen um mich herum. In meinen Armen steckten KanĂŒlen, die am Tropf angeschlossen waren.

 Einer der Ärzte sagte mir, dass ich einen Schlaganfall erlitten hĂ€tte. Ich bekam dies alles wie durch einen Nebel mit. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Die linke Seite war gelĂ€hmt. Sprechen konnte ich nur noch ganz komisch, weil ich den Mund nicht mehr bewegen konnte. Ich wollte nur noch schlafen. Irgendwann kam dann mal eine Schwester und weckte mich wieder. Sie fragte nach meiner Versicherungsnummer bei der Krankenkasse. Klar, die hat doch jeder im Kopf. Ich bewegte nur den Kopf, zumindest versuchte ich es, weil ich keinen Laut herausbrachte. Sie fragte dann nach meinem Geburtsdatum und Wohnsitz. Es muss sehr lange gedauert haben, bis ich ihr das mitteilen konnte. Zwischendurch bin ich immer wieder eingeschlafen.

 Schon wieder wurde ich geweckt. Es waren meine Nachbarn aus der Linzer Wohnung. Sie brachten mir Kleider und Hygieneartikel vorbei. Unterhalten konnte ich mich nicht. Sie sagten mir noch, dass sie meinen SchĂ€ferhund ins Linzer Tierheim gebracht hatten. Ich schlief wieder ein. Dann rĂŒttelte jemand an meinem Bett, so dass ich schon wieder aufwachte. Es waren nicht die Ärzte. Diese Leute hatten grĂŒne Uniformen an. Ich nickte mit dem Kopf, auf die Frage, dass ich Siegfried Bauer, geb. am 30.01.1957 bin. Ruck zuck machten die dann meine SchlĂ€uche weg und schoben mich hinaus. An der TĂŒr stand ein Arzt. Ich fragte ihn so gut es ging, ob er dies verantworten könnte. Eine Antwort blieb er mir schuldig. Im Erdgeschoss des Klinikums bekam ich nun ein Einzelzimmer. Nur die Fenster waren vergittert und vor der TĂŒre waren Beamte im Schichtdienst fĂŒr mich da. Die passten auf, dass ich nicht weglaufen konnte.

 Jeden Tag kamen die Ärzte vorbei und schauten nach, ob ich noch lebe. Die dringend erforderliche Weiterbehandlung wurde nicht durchgefĂŒhrt. Ich bekam Tabletten und wurde mir selbst ĂŒberlassen. Die Schwestern brachten mir das Essen, das ich aber wegen der LĂ€hmung nicht zu mir nehmen konnte. Man brachte mir ein Blatt Papier und einen Bleistift. Darauf notierte ich die Telefonnummer und den Namen meiner Schwester, damit sie ihr Bescheid geben konnten. Die Schwestern fĂŒtterten mich nun so gut es ging. Aufstehen konnte ich nicht. Zum Pinkeln schoben die meinen Penis in eine Flasche rein. Kacken musste ich Gott sei Dank nicht. Noch nicht. Die meiste Zeit schlief ich. So ging es ein paar Tage. Immer öfter wurde ich wach. Ich konnte fast nichts mehr sehen.. Meine Augen schielten ununterbrochen. Ich sah alles doppelt und dreifach. Dabei drehte sich alles. Lesen konnte ich auch nicht mehr.

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 So oft wie möglich versuchte ich nun, die linken Körperteile zu bewegen. Schon am nĂ€chsten Tag konnte ich wieder die Finger bewegen, dann den Arm und schließlich auch das Bein. Nur die LĂ€hmung im Gesicht bekam ich nicht so schnell weg. Ich unterhielt mich mit mir selbst, um die Gesichtsmuskeln zu trainieren. Auch dies ging immer besser. Trotzdem war die linke Körperseite immer noch gefĂŒhllos. Am nĂ€chsten Tag zog ich den Rollstuhl, der direkt neben dem Bett stand zu mir her. Ich versuchte mich aufzurichten und in den Rollstuhl zu klettern. Ohne Erfolg. Ich fiel vor das Bett. Nun klammerte ich mich an den Rollstuhl und ging auf den Knien im Zimmer umher. Bis die Schwester kam und mir das Essen brachte. Zusammen mit dem „GrĂŒnen“ legten sie mich wieder ins Bett. Auch mit dem Essen klappte es wieder alleine.

 Nach drei Wochen Einzelzimmer im Linzer Arbeiter-Krankenhaus wurde ich in die Krankenabteilung der Linzer JVA verlegt. Im Zimmer waren noch zwei Artgenossen. Ganz nette Leute. Zur tĂ€glichen Arztvisite, zwei Zimmer weiter, wurde ich mit dem Rollstuhl geschoben. Mein Zustand verbesserte sich von Tag zu Tag. Mehrere Stunden tĂ€glich lief ich im Zimmer umher, ohne Rollstuhl. Ich hielt mich an den Betten fest und stĂŒtzte mich an den WĂ€nden ab. Am Hofgang konnte ich aber noch nicht teilnehmen. Die Ärztin bekam vom Krankenhaus meine Akte und traute ihren Augen nicht. Sie sprach von einem medizinischen Wunder. So etwas hatte sie noch nicht gehört. Auf Grund der GrĂ¶ĂŸe meines Schlaganfalls hĂ€tte ich nie wieder gehen können.

 Eines Tages wurde ich mit dem Rollstuhl dem Haftrichter vorgefĂŒhrt. Solch ein netter Kerl hĂ€tte ich auch in Germany gerne mal gehabt. Er war nicht voreingenommen und sehr korrekt. Ich wollte schnellst möglichst nach Germany, um die mir zur Last gelegten VorwĂŒrfe aus der Welt zu rĂ€umen. Er veranlasste einen Krankentransport von Linz nach Chemnitz. Ein paar Tage spĂ€ter wurde ich mit einem österreichischen Krankenwagen von Linz an die Grenze nach Passau gebracht. Von dort sollte mich ein Deutscher Krankenwagen nach Chemnitz bringen. Die deutschen Beamten sagten mir, dass der Krankenwagen schon vor ein paar Stunden abgefahren sei und erst eine Woche spĂ€ter der nĂ€chste kĂ€me. Ich könnte mit dem GefĂ€ngnis-Transport fahren, dann wĂ€re ich schon ĂŒbermorgen in Chemnitz, oder ich warte die Woche im Passauer Knast. Ich entschied mich fĂŒr die erste Variante.

 Dass der mich nur angelogen hatte, merkte ich zu spĂ€t. Ein Krankentransport war aus KostengrĂŒnden nie geplant. Die Fahrt nach Chemnitz dauerte nicht zwei Tage, sondern ĂŒber eine Woche. Mit Übernachtungen in MĂŒnchen, NĂŒrnberg und Gera. In Österreich ging alles sehr human zu. Man kam sich zumindest auf der Krankenstation nicht wie im GefĂ€ngnis vor. Doch ab Passau Ă€nderte sich dies sehr schnell. Ich konnte mich ja nur mit viel MĂŒhe auf den Beinen halten. Gesehen habe ich immer noch nichts, außerdem drehte sich immer noch alles vor den Augen. Bei der ersten Zwischenstation im MĂŒnchner Knast, wo die Gefangenen nur auf Schub, also Durchreise waren, gab es nur kaltes Wasser, dreckiges Geschirr vom VorgĂ€nger und einen fĂŒrchterlichen Fraas. Die 6 qm große Zelle teilte ich mir mit einem ca. 20 jĂ€hrigen Leidensgenossen. Kein Radio, keine Zeitung. Am spĂ€ten Abend wurde die ZellentĂŒre aufgemacht und ein Schließer kam herein. Er fragte nach Siegfried Bauer und ich antwortete. In den HĂ€nden hielt er eine kleine SchĂŒssel mit meinen dringend benötigten Medikamenten. Ich stand auf und ging auf ihn zu. Nun steckte er seine HĂ€nde mit den Tabletten so weit wie möglich nach oben, so dass ich sie nicht erreichen konnte. Er trĂ€umte bestimmt davon, dass ich jetzt wie ein Geißbock hochspringe, um meine Tabletten zu bekommen. Wieder so ein gestörter in grĂŒner Uniform, dachte ich mir und schaute ihn mitleidig an. Nach ca. 1 Minute wurden dem die Arme wahrscheinlich zu schwer. Jedenfalls lies er seine SchĂŒssel mit den Tabletten wieder herunter, so dass ich sie nehmen konnte.

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 Am nĂ€chsten Morgen gab es Marmelade und Tee. Brot musste man vom VorgĂ€nger nehmen. Das hĂ€tten nicht mal die Ratten gefressen. Ich verzichtete auf das FrĂŒhstĂŒck. Den ganzen Tag im Bus unterwegs nach NĂŒrnberg. Zum Trinken gab es 0,2l Fruchtsaft. Eingepfercht und ohne Zirkulation bei ca. 28 Grad Außentemperatur. FĂŒr jemanden, der etwas verbrochen hat, fĂ€ngt die Strafe schon hier an. In NĂŒrnberg angekommen, ging es aber wieder recht human zu. Am nĂ€chsten Tag nach Gera, dann weiter nach Chemnitz, Kassberg. Der ehemalige Stasi-Knast ist uralt und steht unter Denkmalschutz. Hier wird die Aufbauhilfe Ost sichtbar. Der ehemalige Stasi-Knast wurde mit den neuesten Sicherheitsvorkehrungen versehen., z.B. mit Kameras und doppeltem Stacheldrahtzaun. Innen wurden die Duschen erneuert. Die Aufnahme war frustrierend. Doch die WĂ€rter waren alle schwer in Ordnung. Ich beantragte eine Verlegung in den Knast-Neubau Reichenhainer Straße in Chemnitz. Hatte mal gehört, dass dort die Ausstattung besser sein soll. Ein paar Tage spĂ€ter wurde ich dort hin verlegt.

 Beim Arzt beantragte ich kurz darauf eine Verlegung in das Leipziger Haftkrankenhaus, weil sich mein Gesundheitszustand rapide verschlechterte. Am nĂ€chsten Tag wurde ich mit einem Sondertransporter nach Leipzig, in die Neurologische Abteilung des Haftkrankenhauses gebracht. Die meisten waren hier auf Entzug mit entsprechenden Auswirkungen. Die Ärzte waren Spitze. Sie gaben sich große MĂŒhe und schickten mich ab und zu in die Uni-Klinik fĂŒr spezielle Untersuchungen. Ein Tag im Haftkrankenhaus kostet den Steuerzahler fast genau 300.- €. Die Fahrten zur Uni-Klinik und die speziellen Untersuchungen kosteten den Steuerzahler mehrere tausend Euro. Mein gesamter Knastaufenthalt kostete den Steuerzahler ca. 60.000.- €. Und nur, damit die korrupten Chemnitzer StaatsanwĂ€lte Genugtuung hatten. Bei den Milliarden die im Osten versickern, fĂ€llt dies aber gar nicht auf. Es kann ja bei den ZuschĂŒssen fĂŒr die Schulen und KindergĂ€rten, oder beim ALG II wieder gespart werden. Oder ganz einfach auf den gigantischen Schuldenberg drauf gesetzt werden. Wird ja fast immer so gemacht.

 In Chemnitz wurde der Termin fĂŒr die Gerichtsverhandlung festgelegt. Mit dem VW-Bus und drei Bewachern und einem Arzt wurde ich von Leipzig nach Chemnitz zur Verhandlung chauffiert. Mein Pflichtverteidiger, mit dem ich hier zum ersten mal Kontakt hatte, machte zwar keinen intelligenten Eindruck auf mich, doch ich hatte mich getĂ€uscht. Meine Schwester organisierte einen zusĂ€tzlichen Verteidiger aus Hof. Der wollte mal mit mir vor der Verhandlung alles durchsprechen, doch beim Wollen ist es geblieben. Mit meinen Schreiben konnte er nichts anfangen. 10 Minuten hatte ich Zeit, um mit ihm alles durchzusprechen. Unvorbereitet gingen wir in die Verhandlung.

 In den Gerichtsakten und den Akten, die meine Verteidiger hatten, fehlten die wichtigsten Unterlagen, die mich sofort vom Vorwurf des versuchten Versicherungsbetrugs entlastet hĂ€tten. Ich bat den Richter darum, nochmals die Unterlagen nach den KaufvertrĂ€gen fĂŒr die zwei Unfallmaschinen durchzusuchen, die ich ja bereits der Kripo und der Staatsanwaltschaft ausgehĂ€ndigt hatte und die auch bei den VerkĂ€ufern ĂŒberprĂŒft wurden. Der Staatsanwalt konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Dies fiel sogar dem Richter auf. In den Gerichtsakten war lediglich der Kaufvertrag ĂŒber den neuen Rahmen. Der Richter war sehr clever. Ich hatte den Eindruck, dass er genau wusste, was gespielt wurde. Mit diesem Richter hatte ich bisher noch nichts zu tun. Er kam aus Westdeutschland. Ihm habe ich aber sehr viel zu verdanken. Auf Grund der Tatsache, dass alle Unterlagen zu meiner Entlastung „fehlten“, konnte er keinen Freispruch erwirken. Der Staatsanwalt beharrte auf drei Jahre Knast. Meine AnwĂ€lte forderten die Strafaussetzung zur BewĂ€hrung.

 Der Richter bat meine AnwĂ€lte und den Staatsanwalt in sein Richterzimmer zur Beratung. Der Staatsanwalt rĂŒckte aber nicht von seinem Antrag auf 3 Jahre Knast ohne BewĂ€hrung ab. Solch eine Gelegenheit bekommen die ja nie wieder. Der Richter sprach das Urteil. 3 Jahre Knast auf BewĂ€hrung. Ich freute mich zu frĂŒh. Der Staatsanwalt ging in Berufung. Aus diplomatischen GrĂŒnden legte mein Anwalt auch Berufung ein. Hier zeigte mein Anwalt, was er kann, dass er sein Geld doch wert war. Er telefonierte zig mal mit dem Staatsanwalt und dem Richter. Letztendlich zog der Staatsanwalt und dann auch mein Anwalt den Antrag auf Berufung zurĂŒck. Das Urteil wurde rechtskrĂ€ftig. Damit kann ich leben. Ich war damals fest entschlossen, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken und dem Gericht alle Unterlagen zur VerfĂŒgung zu stellen, die zu meiner Entlastung fĂŒhren und somit das Urteil ganz aufgehoben wird.

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 Ende November 2004, also nach fast genau 4 Monaten Knast, lies ich mich wieder nach Chemnitz zurĂŒckverlegen, da eine vorzeitige Entlassung nur von dort aus möglich war. Vier Tage spĂ€ter kam ein Schließer in die Zelle und sagte, dass ich alles zusammenpacken soll. Aus gesundheitlichen GrĂŒnden wurde ich ein paar Tage frĂŒher entlassen. Zu meiner Wohnung, ca. 10 km entfernt, ging ich zu Fuß und holte meinen SchĂ€ferhund ab, der dort so lange in Pflege war. Total abgemagert kam er auf mich zu. Kein Anzeichen von Freude. Er war sauer, weil ich ihn so lange allein gelassen hatte.

 Ein Mieter fuhr uns nach Sinsheim, zu meiner Schwester, wo wir einen Monat wohnten, bis ich dort eine Wohnung fand. Eigentlich wollte ich eine Wohnung in Heidelberg. FĂŒr mich die schönste Stadt Deutschlands. Und dass die Leute dort intelligenter sind, als im ĂŒbrigen Teil Deutschlands, merkt man schnell. Doch bei der Wohnungssuche waren die anderen Bewerber immer schneller, so dass ich ein Mietangebot in Sinsheim annahm. Nach Heidelberg fuhr ich zwei oder dreimal wöchentlich. Dort praktizieren hervorragende Ärzte, die nicht unwesentlich zu meiner Genesung und Wohlbefinden beigetragen haben.

 Im Juni 2005 bin ich wieder nach SchwĂ€bisch Hall umgezogen. Im Juli musste ich auf Anweisung der BFA 4 Wochen in einer Reha-Klinik am Bodensee verbringen. Danach bekam ich einen Rentenbescheid. Die BFA attestierte mir 100% ErwerbsunfĂ€higkeit. Im August baute ich meine ganze Internet-Technik in einem neuen Studio in SchwĂ€bisch Hall auf. Dies dauerte alles sehr lange, da mein Gehirn nicht so funktionierte, wie es fĂŒr diese TĂ€tigkeit erforderlich wĂ€re. Aber es hat dann doch noch geklappt. Diese TĂ€tigkeit ist das beste Therapie-Programm, das ich mir vorstellen kann.

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 In den letzten 10 Jahren habe ich so viel Literatur ĂŒber den misslungenen Aufbau-OST gesammelt, dass ich drei Ordner damit fĂŒllen konnte. Mein Gehirn funktioniert aber noch nicht so gut, dass ich dieses gesammelte Werk bereits jetzt in diesem Buch umsetzen und darstellen kann. Also gibt es in 1 – 2 Jahren eine umfangreichere Ausgabe. 5 Millionen Arbeitslose, tatsĂ€chlich aber ĂŒber 7 Millionen, und dies schon seit mehreren Jahren, jeden Tag kommen 1000 neue Arbeitslose dazu, das verkraftet auch nicht unsere Volkswirtschaft.

 Ich erkenne einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Korruption und Arbeitslosigkeit. Eine kleine Bevölkerungsschicht wird immer reicher und eine immer grĂ¶ĂŸere verarmt. Fast der gesamte Mittelstand hat kapituliert. Was Generationen aufgebaut haben, wurde in ein paar Jahren vernichtet. Ehrlichkeit zahlt sich nicht mehr aus. Stattdessen breiten sich Mafiastrukturen aus, immer begleitet von einer Schar von RechtsanwĂ€lten, die der IllegalitĂ€t zum Recht verhelfen. Ackermann und Co sind ein gutes Beispiel dafĂŒr.

 Und so lange es LĂ€nder wie Monaco, Liechtenstein und die Schweiz gibt, wo die betrĂŒgerisch angeeigneten Milliarden anonym gebunkert werden, die ihren Wohlstand ausschließlich den illegalen GeschĂ€ften und der Korruption zu verdanken haben, wird sich auch nichts Ă€ndern. Diese LĂ€nder leben sehr gut vom „Blutgeld“, das den ehrlichen Leuten abgezockt wird.

 LĂ€nder wie Österreich haben den wirtschaftlichen Vorteil einer Globalisierung erkannt und reagiert. Die haben auch VollbeschĂ€ftigung und eine sehr geringe Staatsverschuldung. Und 2005 hatte Österreich die meisten Emigranten seit dem 2.Weltkrieg. Die meisten aus Deutschland. Sonst hĂ€tten wir noch mehr Arbeitslose. Fachleute schĂ€tzen dieses Jahr eine Verfehlung des Maastricht Vertrages um 1%. Nur durch das Verscherbeln des Tafelsilbers könnte dieser Wert um ein paar zehntel reduziert werden. Und Herr Eichel, der sich auch keine ArbeitsplĂ€tze aus dem Ärmel schĂŒtteln kann, wollte dieses Jahr endlich mal wieder die Kriterien des Maastricht Vertrages einhalten. FĂŒr das Jahr 2006 erwarten Fachleute bereits eine Verfehlung des Maastricht Vertrages um ĂŒber 3%. Auch wenn die SchönfĂ€rberei der Regierung uns etwas anderes vorgaukeln will, Ă€ndert dies nichts an der Tatsache.

 Der aktuelle Schuldenstand der öffentlichen Haushalte betrĂ€gt 1,5 Billionen Euro. Und jede Sekunde kommen 2.300.- € dazu. Wenn bereits 60% der Steuereinnahmen fĂŒr die Zinszahlungen und RentenzuschĂŒsse aufgewendet werden, bleibt immer weniger Spielraum fĂŒr Investitionen und Reparaturen.

 Die Finanzmittel zur Instandhaltung von öffentlichen GebĂ€uden und BrĂŒcken wurden auf ein Minimum reduziert.  Auch wenn die erste BrĂŒcke einstĂŒrzt, kann dieses Problem nicht behoben werden. Dann werden BrĂŒcken gesperrt. Das Straßennetz in Westdeutschland ist in einem desolaten Zustand. Es wird nur noch geflickt, weil fĂŒr eine erforderliche Instandsetzung schon lange kein Geld mehr da ist.

 Good bye Germany, der Zusammenbruch lĂ€sst nicht mehr lange auf sich warten. Dann habe ich einen Grund, wieder mal so richtig doll zu feiern.

 

SchwÀbisch Hall, den 25.10.2005

Siegfried Bauer